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Grafschafter Nachrichten vom 13.02.2008

Klares Bekenntnis zum Kraftwerk

Emsländischer Kreistag beschließt mehrheitlich Resolution zu Projekt in Dörpen

Mit den Stimmen der CDU-Mehrheitsfraktion hat sich der emsländische Kreistag grundsätzlich zu den Planungen für den Bau eines Steinkohlekraftwerkes in Dörpen bekannt. Nach einer über weite Strecken emotional geführten Debatte verabschiedete das Parlament jüngst im Meppener Kreishaus gegen die Stimmen von SPD, UWG, FDP und Grünen eine Resolution zum „Energiestandort Emsland".

gs Meppen/Dörpen. „Wenn die Umweltverträglichkeitsprüfung ergibt, dass mit dem Bau keine Umweltbelastungen verbunden sind, die der Region auf Dauer Schaden zufügen, werden wir den Bau und den dazugehörigen Genehmigungsantrag ausdrücklich unterstützen", heißt es in dem an den Investor, die Schweizer BKW FMB Energie AG, gerichteten Schreiben. Als „wichtiger Baustein für eine effiziente Energieerzeugung" wird darüber hinaus die beabsichtigte Wärmenutzung durch die Nordland Papier GmbH bezeichnet.

Wie CDU-Fraktionschef Heinrich Hövelmann erläuterte, seien Anlass für die Resolution diverse Schreiben von Kraftwerksgegnern an die BKW gewesen. In diesen Briefen sei der Eindruck erweckt worden, dass es im Emsland eine Mehrheit gegen die Kraftwerkspläne gebe. Dies sei so nicht hinnehmbar.
Alle anderen Fraktionen kritisierten das Vorgehen der CDU. Klaus Fleer (SPD) sprach von einem „unnötigen Anbiedern an die Energiekonzerne". In der Einwohnerfragestunde (siehe „Wörtlich") machten unterdessen Mitglieder der Bürgerinitiative „Saubere Energie" Dörpen ihrem Unmut Luft.

Auf breite Ablehnung stieß ein Antrag der Grünen-Fraktion, die Forderungen von Kraftwerksgegnern nach einer Bürgerbefragung durch eine Resolution an die Gemeinde Dörpen zu untermauern. Dezernatsleiter Peter Jungeblut wies darauf hin, dass dem Rat in dieser Angelegenheit das alleinige Entscheidungsrecht obliege. SPD und UWG betonten gleichwohl, dass sie das Instrument der Bürgerbefragung für ein probates Mittel im Entscheidungsprozess halten.

Ebenfalls gescheitert sind die Grünen mit einer offiziellen Protestnote gegen den Dörpener Bürgermeister Hermann Wacker und Samtgemeindebürgermeister Hans Hansen. Nach dem Willen von Fraktionschef Nikolaus Schütte zur Wick sollten beide durch den Kreistag aufgefordert werden, „die Bürger zeitnah und umfassend über die jeweiligen Planungsschritte zu unterrichten". Der Landkreis bezweifelt auch in dieser Angelegenheit seine Zuständigkeit. Für die Feststellung etwaiger Amtspflichtverletzungen seien der Dörpener Gemeinde- beziehungsweise der Samtgemeinderat zuständig.

Mit den Stimmen der Union sowie der Mehrheit der FDP-Fraktion gab der Kreistag grünes Licht für den Verkauf kreiseigener Grundstücke mit einer Gesamtfläche von knapp 260000 Quadratmetern an die Gemeinde Dörpen. Der Erlös beläuft sich auf rund 622000 Euro.

Wie Erster Kreisrat Reinhard Winter erläuterte, hatte die Gemeinde zur Sicherung des potenziellen Kraftwerksgeländes Vor- beziehungsweise Optionsverträge mit zwei Landwirten abgeschlossen, deren Grundstücke im Fall der Realisierung des Milliardenprojektes benötigt werden. Um den Landwirten entsprechende Tauschgrundstücke anbieten zu können, müsse die Gemeinde auf im Industriegebiet gelegene Grundstücke des Landkreises zurückgreifen. 


Grafschafter Nachrichten vom 06.09.2007

Initiative gegen Kohlekraftwerk gegründet

ddp dörpen. Gegen den geplanten Bau eines Steinkohlekraftwerks im emsländischen Dörpen formiert sich Widerstand. Am Dienstagabend wurde die deutsch-niederländische Bürgerinitiative "Saubere Energie" gegründet. Zu der Veranstaltung unter dem Motto "Wir lassen uns nicht verkohlen" seien rund 200 Menschen aus beiden Ländern gekommen, sagte Versammlungsleiter Nikolaus Schütte zur Wick. Mehrere tausend Unterschriften gegen den Kraftwerksneubau seien bisher gesammelt worden. Die Kampagne werde bis November fortgesetzt. Das Greenpeace-Schiff "Beluga II" hat bereits den Hafen von Dörpen angelaufen. Weitere Protestaktionen wie eine grenzüberschreitende Fahrradtour, eine Demonstration, ein Rockkonzert und eine Podiumsdiskussion sind geplant.


Grafschafter Nachrichten 30.06.2007

Pro Betriebsstunde über 300 Tonnen Kohle

Pläne zu Steinkohlekraftwerk in Dörpen vorgestellt – 600 Bürger in Schulaula

gn Dörpen. Bei dem nichtöffentlichen Scoping-Termin des Gewerbeaufsichtsamtes Oldenburg im Dörpener Rathaus hat der Investor durch die Firma Fichtner (Stuttgart) umfassende Unterlagen zu Planung, Bau und Betrieb der 900 Megawatt starken Steinkohlekraftwerks vorgelegt. Dabei wurde betont, dass die Überlegungen zu der rund eine Milliarde Euro teuren Anlage noch "ganz am Anfang" stünden. In den nächsten Monaten sei noch eine Vielzahl formaler Einzelaspekte zu klären.

Nach derzeitigem Erkenntnisstand werden im "Scoping-Papier" unter anderem nachfolgende Aussagen zu dem Steinkohlekraftwerk getroffen:
Kohleversorgung: Die Anlieferung soll per Bahn, Schiff oder Lkw erfolgen. Favorisiert wird derzeit die Anlieferung per Bahn oder Binnenschiff. Bei der Versorgung per Schiff ist der Bau einer Entladungsstelle am Küstenkanal vorgesehen. Dort sollen zwei Schiffe mit einer Tonnage von bis zu 1500 Tonnen anlegen und entladen können. Insgesamt werden nach den vorliegenden Schätzungen pro Jahr rund 2,3 Millionen Tonnen benötigt (pro Betriebsstunde 311 Tonnen).

Kohlelagerung: Vorgesehen ist ein Lagerplatz für rund 200000 Tonnen Kohle auf einer Fläche von etwa drei Hektar. Damit wird eine Reserve für 27 Tage Volllastbetrieb des Kraftwerkes vorgehalten.

Kühlturm: Der Turm wird rund 150 Meter hoch sein und einen Durchmesser von 65 Metern haben. Pro Stunde werden nach jetzigen Schätzungen rund 2950 Kubikmeter Kühlwasser benötigt. Für das Gros des benötigten Kühlwassers werden derzeit drei Alternativen in Erwägung gezogen: Entnahme direkt am Küstenkanal neben dem neuen Kraftwerk, Entnahme aus dem Küstenkanal unterhalb der Schleuse Dörpen oder Entnahme aus der Ems bei der Schleuse Bollingerfähr.

Luftimmissionen: Das geplante Kraftwerk wird gasförmige Stoffe und Staub über dem Kühlturm ausstoßen. Das Untersuchungsgebiet soll das 50fache der Kühlturmhöhe umfassen. Damit wird ein Gebiet untersucht, dass bis nach Pagenburg, Surwold, Heede und Renkenberge heranreicht. Derzeit ist nach Darstellung der Planer davon auszugehen, dass keine Überschreitungen der gesetzlich zulässigen Grenzwerte erfolgen.

Einspeisung: Die Einspeisung des produzierten Stroms soll direkt in ein 380-kV-Netz erfolgen. Derzeit wird untersucht, inwieweit Dampfauskoppelung und Belieferung angrenzender Industrie möglich ist.

Unterdessen haben Investoren, Fachleute und Politiker in der Dörpener Schulaula die Kraftwerkspläne einer äußerst interessierten Öffentlichkeit vorgestellt. Rund 600 Bürger waren gekommen, von denen etliche Kritik, Sorgen und Ängste angesichts der Größe des Objektes und möglicher Negativauswirkungen äußerten.

Der Forderung, stärker auf regenerative Energien zu setzen, begegnete Landrat Hermann Bröring mit dem Hinweis, die verschiedenen Energiepotenziale nicht gegeneinander auszuspielen. Als Beispiel nannte er die hohen Subventionen für Photovoltaikanlagen. Befürchtungen nach einer negativen Entwicklung für die Tourismus-, Gastronomie- und Immobilienbranche wies Bröring ebenfalls zurück. In Lingen habe sich praktisch "im Schatten des Kernkraftwerkes" das touristische Zentrum der Stadt entwickelt.

Für die Advanced Power AG, die gemeinsam mit der Schweizer BKW FMB Energie AG das Steinkohlekraftwerk in Dörpen errichten will, sagte Dr. Martin Giesen zu, dass "selbstverständlich alle Bestimmungen eingehalten werden". Die Schweizer Investoren versprachen, "alle Informationen und Daten" zu dem Großprojekt offen legen zu wollen.

Vor dem Gebäude allerdings machte eine Riege von Kraftwerksgegnern, allesamt in weiße T-Shirts gehüllt und mit roten Regenschirmen "bewaffnet", auch anhand von Transparenten ihre Ablehnung des Mega-Projektes deutlich.


Grafschafter Nachrichten 22.06.2007

Großprojekt geht ins Detail

Genehmigungsverfahren für Dörpener Kohlekraftwerk läuft an

In Dörpen werden 47 Verfahrensbeteiligte des Betreibers sowie von Behörden und Umweltverbänden erwartet. Allerdings rührt sich im Emsland auch Protest gegen den "Klimakiller".

Von Holger Szyska
dörpen. Knapp vier Monate lang rätselten die Emsländer, welches Unternehmen wohl ein Steinkohlekraftwerk in Dörpen südlich von Papenburg betreiben wolle. Im Februar, als die Pläne von Landrat Hermann Bröring (CDU) öffentlich gemacht wurden, war schließlich geheimnisvoll von einer internationalen Investmentgruppe die Rede. Nach entsprechenden Medienberichten gab sich dann Anfang Juni die börsennotierte BKW FMB Energie AG aus dem schweizerischen Bern zu erkennen.

Dörpen ist das erste Kraftwerksvorhaben des Konzerns in Deutschland. Details zu dem Projekt mit einer Leistung von 900 Megawatt und einem Investitionsvolumen von einer Milliarde Euro sollen am Montag bekannt gegeben werden, wenn das Gewerbeaufsichtsamt Oldenburg mit einem so genannten Scoping-Termin das Genehmigungsverfahren vorbereitet.

Dazu würden in Dörpen 47 Verfahrensbeteiligte des Betreibers sowie von Behörden und Umweltverbände erwartet, kündigte der zuständige Abteilungsleiter des Amtes, Walter Kulisch, in Oldenburg an. Bei dem Treffen sollen Vorgaben für die Antragstellung und die Umweltverträglichkeitsprüfung sowie Bedenken und Anregungen zur Sprache kommen.
Nach der Auswertung soll der BKW FMB Energie AG laut Kulisch "noch vor der Sommerpause" mitgeteilt werden, welche Unterlagen und Gutachten eingereicht werden müssen. Die Klimabilanz des Kraftwerks spiele dabei keine Rolle. Die Rechte für den Kohlendioxid-Ausstoß müsse sich die Betreiberfirma bei der Emissionshandelsstelle im Umweltbundesamt sichern. Gesprochen werde indes über die Entnahme und Einleitung von Kühlwasser aus beziehungsweise in den Dortmund-Ems-Kanal.

Für den Standort im Emsland habe sich die BKW FMB Energie AG wegen der Anbindung an das vorhandene Stromnetz sowie der Infrastruktur entschieden, sagte Konzernsprecher Antonio Sommavilla. Die Anlieferung der Steinkohle sei per Schiff und Bahn möglich. "Ein wichtiger Grund ist auch, dass die Behörden vor Ort ein entsprechendes Interesse signalisiert haben", fügte Sommavilla hinzu. In der Tat: Besonders Landrat Bröring setzt sich für das Kraftwerk ein, das wegen seines Kohlendioxid-Ausstoßes umstritten ist.

"Wir brauchen den Ausbau von Regelenergie, um eine Vollversorgung zu gewährleisten. Regenerative Energien wie Windkraft stehen nicht 365 Tage im Jahr 24 Stunden zur Verfügung", sagte Bröring. Weiter betonte er: "Das Emsland soll nicht nur ein Transitland für Energien sein, sondern auch an der Wertschöpfung teilhaben." Zudem hofft der Landrat auf 200 Arbeitsplätze und spricht sich für eine Kraft-Wärme-Kopplung mit dem nahe gelegenen Papierwerk Nordland aus. "Wir haben die Absicht, die Wärme zu nutzen und den Wirkungsgrad damit nochmals zu erhöhen", bestätigte Sommavilla.

Moderne Anlagen hätten einen deutlich höheren Wirkungsgrad als alte Kohlekraftwerke und würden damit die CO2-Bilanz verbessern, betonte er. Sommavilla zeigte sich zuversichtlich, Mitte 2009 mit dem Bau beginnen und das Kraftwerk 2013 in Betrieb nehmen zu können. Vorgesehen sei eine Laufzeit von 40 Jahren.

Nikolaus Schütte zur Wick sieht das völlig anders. "Vor dem Hintergrund des Klimawandels ist der Neubau unverantwortlich, wir brauchen keinen Klimakiller", sagte der Vorsitzende des Kreisverbandes Emsland-Nord der Grünen. Zudem sei ein mit Importkohle aus Russland oder Südafrika zu betreibendes Kraftwerk nicht zukunftsfähig. Schütte zur Wick sammelt eifrig Protestunterschriften.

Daraus sei mittlerweile eine überparteiliche Aktion geworden. Unterschrieben hätten auch CDU-, SPD- und FDP-Mitglieder, die teilweise selbst Unterschriften sammeln würden. Die Zahl der Unterzeichner bewege sich bereits im vierstelligen Bereich. Zudem werde die Gründung einer Bürgerinitiative vorbereitet, die ihren Protest auf einer Bürgerversammlung der Samtgemeinde Dörpen am Dienstag artikulieren wolle.


Grafschafter Nachrichten 08.06.2007

Laufzeit ist auf 40 Jahre ausgelegt

Investoren für Steinkohlekraftwerk gründen Projektgesellschaft Energie Dörpen

Das geplante Steinkohlekraftwerk am Küstenkanal in Dörpen soll ab Ende des Jahres 2013 Strom für industrielle Großkunden liefern. Gleichzeitig hält sich der Betreiber eine Option für die Kraft-Wärme-Kopplung offen. Das hat jetzt Christoph Frings, Geschäftsführer der deutschen Tochtergesellschaft der BKW FMB Energie AG mit Sitz in Bern (Schweiz), bei der Vorstellung von Projektdaten in Dörpen unterstrichen.

kd Dörpen. Geplant sei ein hocheffizientes Kraftwerk, das deutlich über dem Wirkungsgrad bestehender Anlagen liege. Die meistens bereits über 40 Jahre alten Kohlekraftwerke in Deutschland kämen auf eine Ausnutzung von 30 Prozent. Die Dörpener Anlage bringe es auf einen Wirkungsgrad von rund 46 Prozent. Eine zusätzliche Steigerung des Wertes könne in Verbindung mit der Abnahme von Wärme erreicht werden.

Dass bei der Verbrennung von Steinkohle CO2 (Kohlendioxid) produziert werde, brauche man nicht verheimlichen, räumte Frings ein. Nach heutigem Stand der Technik gebe es aber noch keine Möglichkeit, diese Umweltbelastungen generell zu unterbinden. Sollten in naher Zukunft entsprechende Systeme entwickelt werden, könne das Dörpener Kraftwerk nachgerüstet werden. Dies werde bei den Bauplänen bereits berücksichtigt. Nach Angaben von Frings ist das Kraftwerk auf eine Laufzeit von 40 Jahren ausgelegt.

Zu der Frage, warum der Investor sich erst ein Vierteljahr nach Bekanntgabe der Planungsabsichten zu erkennen gab, verwies Frings auf die Strukturen des BKW-Konzerns als börsennotiertes Unternehmen. Zwischenzeitlich seien die Überlegungen aber so weit gereift, dass BKW zusammen mit seinem Geschäftspartner, der Advanced Power AG aus Zug in der Schweiz, öffentlich auftreten könne. Gemeinsam haben die beiden Unternehmen (jeweils 50 Prozent Beteiligung) die Projektgesellschaft Energie Dörpen GmbH & Co KG gegründet. Diese wird das Kraftwerk erstellen und betreiben.

"Wir wollen nicht nur Transitland für Strom sein, sondern auch von der Schaffung des Mehrwerts profitieren", sagte der emsländische Landrat Hermann Bröring. Für den Kraftwerksbau biete der Standort Dörpen mit der direkten Anbindung an Wasserstraße und Schiene ideale Voraussetzungen. Und mit den Nordland-Papierwerken sei auch noch ein potenzieller Abnehmer für die Abwärme vorhanden. Insgesamt werde das Projekt die Bedeutung der Emsgemeinde als Industriestandort weiter stärken.

Dies unterstrich gleichfalls der Dörpener Bürgermeister Hermann Wacker, der mit Hinweis auf die gestern erfolgte Einsendung der Scoping-Unterlagen an das Gewerbeaufsichtsamt Oldenburg von einer "wichtigen Etappe" auf dem Weg der Realisierung sprach. Einen Tag nach dem Scoping-Termin wollen Gemeinde und Investoren das Projekt auf einer Bürgerversammlung vorstellen, die am 26. Juni im Dörpener Schulzentrum stattfindet. Und dass die Investoren Dörpen nicht als bloße "Spielwiese" ansähen, verdeutliche die bereits für Ende Juli terminierte EU-weite Ausschreibung von Bauarbeiten, knüpfte Bröring an.

Begleitet wird das Genehmigungsverfahren, das bis Mitte 2009 laufen könnte, nach Darstellung von Samtgemeindebürgermeister Hans Hansen indessen von einer umfassenden Umweltvertäglichkeitsuntersuchung. Diese betrachte unter anderem Immissionen wie Stickoxide und Feinstaub, Lärmbelästigungen und Auswirkungen auf Natur- und Landschaft. Untersucht werde ferner die Entnahme von jährlich 20 Millionen Kubikmetern Kühlwasser aus Dortmund-Ems-Kanal beziehungsweise Ems-Seitenkanal. Etwa die Hälfte dieser Menge könne dem Wasserweg wieder zugeführt werden.

Der Kühlturm der Anlage hat übrigens eine Höhe von 150 Metern. Zum Vergleich: Der Turm beim ehemaligen Kraftwerk in Meppen-Hüntel ist 120 Meter hoch. Der Untersuchungsraum für die Umweltstudie hat nach den Worten von Hansen einen Radius von 7,5 Kilometern um das Kraftwerk und berührt damit auch eine Reihe von Dörpens Nachbarkommunen.


Grafschafter Nachrichten vom 05.06.2007

"Klimaschutz wird zum Papiertiger"

Kritik der Grünen

gn Lingen/Dörpen. Deutliche Kritik an Plänen zur Errichtung eines Kohlekraftwerks in Dörpen hat die Lingener Grünen-Landtagskandidatin Birgit Kemmer geübt. Wie berichtet, hat das Schweizer Unternehmen BKW FMB entsprechende Planungen bestätigt, eine solche Anlage mit einem Investitionsvolumen von rund einer Milliarde Euro am Küstenkanal zu errichten. Wie die Grünen-Politikerin mitteilte, ist der Konzern federführend an den größten schweizerischen Alternativenergieanlagen beteiligt, wie die Sonnenenergieanlage in Mont-Soleil, oder das Windkraftwerk Juvent. "Aber hier im Emsland, im europäischen Ausland, baut man dann doch lieber ein umweltbelastendes Kohlekraftwerk", sagte Kemmer.

Ein Kohlekraftwerk, das mit seinem durchschnittlichen Kohlendioxid-Ausstoß von 750 g/kWh die Umwelt schwer belaste. Bei einem Gaskraftwerk sei dieser Ausstoß um die Hälfte geringer. Durch den falsch praktizierten Emissionshandel fördere die Bundesregierung derartige Kraftwerksneubauten. "So wird Klimaschutz zum Papiertiger, und die Minderung des Kohlendioxid-Austoßes bis 2020 um mindestens 40 Prozent bleibt eine Illusion." An die Investoren appellierte Kemmer: "Auch wir, die Menschen im Emsland, haben die Zeichen der Zeit längst erkannt und würden gerne von Ihren fortschrittlichen, zukunftsweisenden Projekten im Bereich der alternativen Energie profitieren."


Grafschafter Nachrichten vom 04.06.2007

In Dörpen soll Kohlekraftwerk entstehen

Schweizer Energieversorger bestätigt Pläne für Milliarden-Projekt

Dörpen. Die BKW FMB Energie AG mit Sitz in Bern hat jüngst bestätigt, in Dörpen ein Steinkohlekraftwerk bauen zu wollen. Die Projekt- und Planungsunterlagen werden in dieser Woche zur Vorabstimmung des Untersuchungsumfangs bei den zuständigen Behörden eingereicht.

Das Schweizer Unternehmen beendete mit seiner Klarstellung Spekulationen, ob in Dörpen ein Kohlekraftwerk oder ein Gaskraftwerk entstehen soll. Nach Angaben von BKW ist in der Emsgemeinde "die Realisierung einer Anlage modernster Bauart" vorgesehen. Die Leistung des Steinkohlekraftwerks wurde mit 900 Megawatt (MW) angegeben.

Zur Verwirklichung des Vorhabens habe BKW mit dem ebenfalls in der Schweiz ansässigen Unternehmen Advanced Power AG eine Projektpartnerschaft eingegangen. Darüber hinaus sei angedacht, die Anlage in Zusammenarbeit mit weiteren interessierten Partner zu verwirklichen.
Das Investitionsvolumen für das Vorhaben am Küstenkanal in Dörpen gab BKW mit rund einer Milliarde Euro an. Die projektierte Anlage werde "einen im internationalen Vergleich hohen Wirkungsgrad aufweisen und die technologisch zurzeit bestmögliche, alle Kriterien der Umweltverträglichkeit respektierende Nutzung von Steinkohle zur Stromproduktion" aufweisen, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens.

In Zusammenhang mit dem Projekt in Dörpen verwies das Berner Unternehmen auch auf ein Vorhaben im nordrhein-westfälischen Bocholt. Hier engagiere man sich bei einem Vorhaben zur Errichtung eines Gaskombikraftwerkes.

BKW versorgt derzeit rund eine Million Menschen mit Strom. Größte Aktionäre des börsennotierten Unternehmens sind der Kanton Bern (52,2 Prozent) sowie die deutsche E.ON (21 Prozent). Zum Konzern gehören 17 Tochtergesellschaften in der Schweiz, Deutschland, Österreich und Italien. Der Jahresumsatz liegt bei gut 1,2 Milliarden Euro. Insgesamt sind im BKW-Konzern rund 2300 Mitarbeiter beschäftigt.


Grafschafter Nachrichten vom 27.02.2007

Grafschafter Grüne: Kohlekraftwerke unverantwortlich

Scharfe Kritik an Plänen für Dörpen

gn nordhorn. Mit scharfer Kritik reagieren die Grafschafter Bündnisgrünen auf Planungen zur möglichen Ansiedlung eines Steinkohlekraftwerks in der emsländischen Gemeinde Dörpen (die GN berichteten). "Vor dem Hintergrund des drohenden Klimawandels ist der Neubau einer solchen Anlage unverantwortlich", sagte Kreisvorsitzender Dieter Kunert.

Kohlekraftwerke stoßen nach der Darstellung der Grünen im Vergleich zu anderen Kraftwerken mehr als doppelt so viel klimaschädliches Kohlendioxid aus. Über die Hälfte der Energie entweiche ungenutzt über die Kühltürme. Zwar gebe es Technologien für CO2-freie Kohlekraftwerke, aufgrund der hohen Betriebskosten für die Kohlendioxidabscheidung und des geringen Wirkungsgrades dieser Anlagen sei allerdings zu bezweifeln, dass ein möglicher Investor Interesse am Bau eines klimaschonenden Kraftwerkes habe.

Der Kreisvorsitzende befürchtet daher, dass im Nachbarkreis "ein Klimakiller entstehen wird".
Unverständlich sei für die Grafschafter Bündnisgrünen, dass Minister Busemann einen möglichen Kohlekraftwerksbau in Dörpen völlig unkritisch bejubele. "Offenbar hat noch nicht jeder Unionspolitiker im Emsland die Notwendigkeit des Klimaschutzes verinnerlicht", vermutet Kunert. Statt auf fossile Energieträger wie Kohle und Gas zu setzen, müssten in der Region erneuerbare Energien gefördert werden. Auch aus wirtschaftspolitischer Sicht seien Investitionen in die "Boombranche" der regenerativen Energien sinnvoll.


Leserbrief

Grafschafter Nachrichten vom 24.02.2007

Eine Riege strahlender Herren

Bezug: GN-Artikel GN-Artikel "Kohlekraftwerk für Dörpen?" vom 14. Februar
Mitten in die Diskussion um den weltweiten Klimawandel platzen emsländische Politiker mit der Nachricht, auf die wir alle schon lange gewartet haben, nämlich den Bau eines 800-MW-Großkraftwerkes auf Steinkohlebasis in Dörpen.

Auf dem Foto in den GN sieht man eine Riege strahlender Herren, die von "einer Riesenchance für das Emsland" reden. Auch Herr Busemann, bisher eher bekannt als umstrittener Kultusminister, mauserte sich inzwischen zum Energieexperten und ist überzeugt, dass das Nordemsland "eine Karte im Spiel um die Energiezukunft" (welche ist gemeint?) haben muss. Dass es sich hierbei sicher nicht um ein Spiel handelt, belegt allein die Investitionssumme von rund einer Milliarde.

Für uns als Grafschafter BI Umweltschutz ergeben sich folgende Fragen:

  • Hat man im Emsland nicht mitbekommen, dass gerade Kohlekraftwerke zu den größten "CO2-Schleudern" gehören, die unser Klima nachhaltig negativ belasten?

  • Wenn die Option Gaskraftwerk realisiert würde, warum hat man dann das ehemalige RWE-Gaskraftwerk nahe Meppen vor Jahren stillgelegt (und in einen Freizeitpark verwandelt) und viele ehemalige 50-jährige Kraftwerksangestellte mit dem Goldenen Handschlag in Rente geschickt ?

  • Wie vertragen sich Investitionen in den fahrradfreundlichen Tourismus mit Abgasfahnen aus Müllverbrennungsanlagen (Emlichheim) und kohlebefeuertem Großkraftwerk (Dörpen)?

  • Was haben die Bürger des Emslandes von dem Kohlekraftwerk der geheimnisvollen Großinvestorengruppe? Natürlich wird zunächst das Arbeitsplatzargument vorgebracht – vier Jahre rund 1000 Monteure auf der Baustelle und anschließend vielleicht 200 Dauerarbeitsplätze. Glauben die Emsländer tatsächlich an sinkende Strompreise oder eine Verringerung der Abhängigkeit von ausländischen Lieferanten (es handelt sich ja wohl um Importkohle aus Polen, Bolivien oder Ähnlichen)?

Unserer Meinung nach hat im Wesentlichen die internationale Investorengruppe etwas davon, denn in kaum einem Land in Europa ist der Strompreis so hoch wie bei uns. Wir schlagen die Errichtung von 160 Windkraftanlagen der 5-MW-Klasse entlang der deutsch-niederländischen Grenze (auf zirka 160 Kilometer von Ostfriesland bis in die Grafschaft jeden Kilometer eine Anlage – oder auch Windparks) vor. Auch damit würden sicher vier Jahre 1000 Monteure beschäftigt und auf Dauer 200 qualifizierte Techniker für die Instandhaltung und Wartung der Anlagen gebraucht, unsere Importabhängigkeit würde verringert und das Klima geschont. In den windschwachen Zeiten könnten Photovoltaik-Anlagen auf Ställen und Biogasanlagen der Landwirte den erforderlichen Strom erzeugen. So hätte auch die emsländische und Grafschafter Bevölkerung etwas davon und nicht irgendwelche internationalen Großinvestoren.
Grafschafter Bürgerinitiative Umweltschutz Helmut Dwertmann Harzstraße 17 Nordhorn


Grafschafter Nachrichten 19.02.2007

"Kohlekraftwerke sind Dinosaurier"

Meppen. Bei den Grünen im emsländischen Kreistag sind Pläne für den Bau eines Kohlekraftwerks in Dörpen (die GN berichteten) auf wenig Gegenliebe gestoßen. "Kohlekraftwerke sind die Dinosaurier der Energieerzeugung. Vor dem Hintergrund des drohenden Klimawandels ist der Neubau einer solchen Anlage unverantwortlich", kritisierte der Grünen-Kreisfraktionsvorsitzende Nikolaus Schütte zur Wick. Er befürchte einen "Klimakiller" und forderte den Landkreis auf, nicht auf fossile Energieträger wie Kohle oder Gas zu setzen, sondern erneuerbare Energien zu fördern.


Grafschafter Nachrichten vom 14.02.2007

"Riesenchance fürs nördliche Emsland"

Kraftwerk: Politik zuversichtlich

Überzeugt von den Möglichkeiten, aber realistisch, dass noch ein weiter Weg vor ihnen liegt – so präsentierten gestern im Rathaus in Dörpen die Gemeinde, der Landkreis Emsland und Kultusminister Bernd Busemann als örtlicher Landtagsabgeordneter die Planungen für ein neues Großkraftwerk im Dörpener Industriegebiet.

Von Holger Hartwig
Dörpen. Vor gut drei Monaten kam ein internationales Firmenkonsortium auf die Gemeinde zu. Die Investoren waren auf Dörpen gestoßen, weil sie eine gute Anbindung über Wasserstraßen und Schienenwege für ein Kraftwerk als gegeben sehen. Außerdem ist mit der Firma Nordland ein potenzieller Energieabnehmer in unmittelbarer Nachbarschaft angesiedelt, die Wasserversorgung ist gesichert und die Stromableitung könnte in das wenige Kilometer entfernte Hochspannungsnetz erfolgen.

Die Planungen der Investoren, die derzeit noch nicht öffentlich auftreten wollen, sehen bis 2013 den Bau eines 800-Mega-Watt-Kraftwerkes auf Steinkohlebasis vor. Optional wird auch an ein Gaskraftwerk gedacht. Bis Ende 2007 wollen sie entscheiden, ob sie in Dörpen oder an einem von zwei weiteren Standorten in der Bundesrepublik rund eine Milliarde Euro investieren.
Die Verantwortlichen vor Ort reagierten umgehend auf den Investorenbesuch. Im Gemeinderat wurde schnell ein Grundsatzbeschluss gefasst, Samtgemeindebürgermeister Hans Hansen kaufte noch erforderliche rund 20 Hektar Land im Ansiedlungsgebiet. Weitere Weichen wurden in Schulterschluss von Gemeinde, Landkreis und dem hiesigen Landtagsabgeordneten gestellt. Hansen brachte gestern auf den Punkt, was alle Verantwortlichen denken: "Das ist eine Riesenchance für die Region." Allein in der vierjährigen Bauphase würden rund 1000 Monteure beschäftigt sein. Auch der emsländische Landrat Hermann Bröring ist vom Projekt, dessen Genehmigung bis Ende 2009 vollzogen sein könnte, überzeugt. "In Dörpen entsteht neue Energie für das Emsland. Das wird ein entscheidender Faktor für die weitere wirtschaftliche Entwicklung der Region." In der Aufnahme Dörpens als Vorrangstandort für ein Kraftwerk im Landesraumordnungsprogramm sieht er "kein Problem". Auch Dörpens Landtagsabgeordneter und Kultusminister Bernd Busemann ist überzeugt: "Das Nordemsland muss eine Karte im Spiel um die Energiezukunft haben. Dörpen bietet optimale Voraussetzungen. Es gibt in Niedersachsen keinen besseren Standort."

 
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"KEIN KOHLEKRAFTWERK IN DÖRPEN!"