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Informationsschreiben der Ärzte- und Heilberufler
ÄrzteinitiativeSehr geehrte Mitbürgerinnen, ca. 110 Ärzte haben ein Positionspapier gegen ein Kohlekraftwerk Dörpen und gegen Kohlekraftwerke allgemein unterzeichnet. Darunter viele Niedergelassene der Umgebung, Chefärzte und Oberärzte und Assistenzärzte der umliegenden Häuser. Dieses Papier mit den gesammelten Unterschriften wurden den verantwortlichen Politikern der Gemeinde Dörpen im Mai 2008 überrreicht. Als Mitglied der Ärzteinitiative gegen das Kohlekraftwerk in Dörpen bedanke ich mich für die Einladung hier stellvertretend für die etwa 110 Ärzte sprechen zu dürfen und ärztliche Gründe gegen ein Kohlekraftwerk aufführen zu können. Die Medizin ist eine Kunst, eine Heilkunst basierend allerdings auf wissenschaftlich festen Füßen. Von der Alchemie des Mittelalters weit entfernt geht es heute in der modernen Heilkunst nicht mehr ohne handfeste Daten, Studien und Analysen und klaren Handlungsangaben resultierend aus weltweiten Veröffentlichungen. All diese Untersuchungen gipfeln in der sogenannten evidence based Medizin oder den Guidlines, den sogenannten Handlungleitfäden. Wenn man heute einen Herzinfarkt nicht mehr nach diesen Handlungsvorgaben therapiert, muß man sich vor den Anghörigen manchmal sogar behördlich und letzendlich auch vor seinem eigenen Arztsein verantworten. Gerne nehme ich in diesem Zusammenhang die Anzeige aus der Emszeitung des Bürgermeisters Herrn Wacker von gestern mit auf. Er sagt, man solle abwarten bis alle Fakten auf dem Tisch liegen! Ein Abwarten bis alle Fakten auf dem Tisch liegen ist nicht notwendig, weil es längs schon soweit ist! Die vorliegenden Daten reichen uns, um ein abschließendes Urteil zuzulassen: Kein Kohlekraftwerk in Dörpen! Laut einer Studie der EU aus dem Jahre 2005 sterben in Deutschland jährlich 65000 Menschen an den Folgen von Feinstäuben. Feinstäube, das sind Winzlinge mit großer Wirkung! Eine Konzentration, unter deren die Partikel gesundheitlich unbedenklich sind ist bisher nicht bekannt.(Deutsche Ärzteblatt 2005). Mit den Jahren wurden grobe Feinstaubpartikel reduziert, dagegen stieg die Konzentration der Feinstäube, Nanopartikel exponentiell an. Dr. Sahl vom Bundesumweltminesterium sagt, wir können davon ausgehen, daß mehr Menschen durch Feinstaubexpositionen sterben als durch Verkehrsunfälle. 10 müGramm pro Qudratzentimeter mehr Feinstaub führt zu 24 % höheren Raten an gesundheitlich schädlichen Ereignissen. (New England J of medicin 2007, 356). Die Listen von Veröffentlichungen harten wissenschaftlichen Zahlenmaterials in renomierten wissenschaftlichen Magazinen ließe sich noch weiter fortfuhren und würde Sie letzendlich langweilen. Es bleibt die Kernaussge: Durch den Bau des Kohlekraftwerkes ist eine Zunahme der Feinstaubbelastung in und im Umland von Dörpen zu erwarten und korrelierent damit auch eine zunehmende Erkrankungswahrscheinlichkeit bzgl. Asthma, Neurodermitis und Allergien. Da helfen alle Filtersysteme nichts, schon allein durch den Kohleberg von 30 Metern Höhe, der notwendig wird um die zu vebrennende Kohle vorrätig zu halten. Der ärztliche Auftrag besteht auch in der Prävention, das heißt dem Verhindern von Erkrankungen. Deshalb sagen wir nein zum Kohlekraftwerk. Wenn Sie sagen Herr Wacker, daß für Sie und Ihre Ratskollegen und für die Gemeindeverwaltung der Schutz der Gesundheit eine nicht verhandelbare Grundvorraussetzung ist für weitere Planungen können wir Sie nicht verstehen. Der Preis unserer Gesundheit ist für die veraltete Form einer Ernergiegewinnung einfach zu groß. Kommen wir zum zweiten Aspekt, weshalb wir als Ärzte gegen ein Kohlekraftwerk stimmen: Dieser Aspekt ist meines Erachtens noch viel gewichtiger, denn es geht um unsere Kinder, um unseren Planeten. Darüber hinaus möchte ich aber auch die einmalige Chance nutzen, Ihnen meine persönliche Ängste und Sorgen als Familienvater mitzuteilen und als einer, der in der Gemeinde Dörpen aufgewachsen ist. Diese Sorge teile ich sicherlich mit vielen. Wir haben keine Zeit mehr für Übergangsregelungen, Übergangskohlekraftwerke oder ähnliche Experimente. Die Uhr tickt. Wer kann heute den Klimawandel ernsthaft in Frage stellen und an den wissenschaftlichen Daten und Meldungen zweifeln? Der Klimawandel ist da und er ist menschlich gemacht. Wie kann man hier an der Wissenschaft zweifeln? Das erinnert fatal an das Vogel-Strauß-Prinzip: Kopf in den Sand und nicht registrieren, daß uns der Allerwerteste verbrennen wird. Hier geht es um Wissenschaftlichkeit und nicht um kurzfristige Gewinnmaximierung. Wir haben ca. 15 Jahre Zeit unsere Ernergiepolitik zu überdenken. Und wenn wir das nicht schaffen, haben wir nicht 200 Arbeitsplätze mehr, sondern Millionen von Klimaflüchtigen, Flutkatstrophen etc. Und das sagt nicht irgendwer sondern das sagt der Weltklimarat, basierend auf tausenden von Analysen und Studien. Wer die Seriosität, die Arbeitsweise und die hohe Wissenschaftlichkeit dieser Institution begriffen hat, versteht auch den Ernst der Stunde. Somit komme ich nochmal zu einer Kernaussage: Medizin ist eine Heilkunst basierend auf wissenschaftlich festen Füßen. Als Mediziner fragen wir uns: Ignorieren Sie die wissenschaftlich fundierten täglichen Meldungen, daß die Polkappen schmelzen, daß die Gletscher schwinden, daß der Meeresspiegel steigt? Und das daran C02 einen entscheidenden Anteil hat? Und daß die Menge eines verbrannten Steinkohlebriketts ca. 4 Briketts C02 entspricht? Eines ist in der Geschichte offensichtlich: die Wissenschaft hat letztendlich immer gesiegt und konnte sich durchsetzten. Irgendwann hatte es auch der letzte Zweifler begriffen: die Erde ist doch eine Kugel und der Mond kreist um die Erde. Und Kopernikus hat doch recht! Wenn der Patient das tut was der Arzt Ihm rät nennt man das Compliance. Unsere Therapieempfehlung lautet: Laßt das Kohlekraftwerk sein! Dr. med. B.M. Bromisch Rede von Dr. med. B.M. Bromisch
Ems-Zeitung vom 24.05.2008
Unterschriftenübergabe der "Gesundheitsinitiative"

Ems-Zeitung vom 20.05.2008 Ärzte übergeben Unterschriften gegen KraftwerkDörpen. Ärzte und Heilberufler aus dem nördlichen Emsland überreichen dem Dörpener SG-Bürgermeister Hans Hansen am Donnerstag, 22. Mai, um 17.30 Uhr im Rathaus Dörpen eine Liste mit Unterschriften gegen das in der Gemeinde geplante Steinkohlekraftwerk. Rund 160 Mediziner aus allen Sparten, darunter 108 approbierte Ärzte, hatten unterschrieben, um auf die „nicht tolerablen“ Gesundheitsbelastungen des Kraftwerks aufmerksam zu machen. Sie appellieren an die politisch Verantwortlichen, die laufenden Planungs- und Bauvorhaben einzustellen. Die Bürgerinitiative „Saubere Energie“ begleitet die Übergabe der Unterschriften mit einer Kundgebung vor dem Rathaus. Strafanzeige gestellt - WHO schaltet sich ein !

Bronchialzellen werden nicht allein durch unterschiedlich große Ruß-Emittenten, sondern durch die sie begleitende Abluft zu entzündlichen Reaktionen gereizt
Die zelluläre Abwehr des Menschen wird nicht nur durch große Russschmutz-Partikel, sondern (nach deren Filterung) vor allem durch kleine, Nano-Partikel, vernichtet
Institut für nachhaltige Gesundheitswissenschaften Büro Dersum Leiter: Univ.-Prof.a.D.Dr.Dr.h.c.(UNFV) Heinz Spranger MAS (Health Sciences inter-uni) D-26906 Dersum 2008-02-09 Positions-Papier Humanökologie Steinkohle-Kraftwerk DörpenAutoren: Becker, KH, Spranger, H Wir rufen die ärztlichen und nicht-ärztlichen Heilberufler von Dörpen und Umgebung zu einer Meinungsäußerung gegen den Bau und Betrieb dieses Werkes auf. Dabei geht es um das Ziel, die Bürger, nämlich unsere Klienten und Patienten, vor weiteren Umwelt schädigenden Einflüssen zu bewahren. Wir, die Heilberufler, profitieren nämlich in keinster Weise von dem angekündigten Bau und sind daher nicht mit dem Vorwurf des Eigennutzes zu belasten, was durchaus für Andere, auch für politisch Verantwortliche, gelten könnte; die präventive Medizin ist glaubwürdig genug, um unsere Stimmen zu tragen. Bitte prüfen Sie die Argumentation und stimmen Sie mit uns für die BI. AusgangssituationSchweizer Unternehmer (BKW FMB Energie AG Bern) haben in Dörpen, Samtgemeinde Dörpen, Investitionsgrund erworben, um darauf ein ‚Steinkohle-Kraftwerk' bauen zu wollen. Sie wollen sich als ‚Energie Dörpen GmbH & Co. KG' präsentieren und "nutzen einen wichtigen Grund; die Behörden hätten entsprechendes Interesse bekundet". Die Eingangs-Ressourcen sollen aus dem außereuropäischen Ausland geliefert werden (u.A. Fracht-Seeweg); die geschaffene Energie soll verkauft und in ein Netzwerk eingespeist werden. Das Vorhaben ist durch den Landrat des Kreises Emsland am 31.01.2008 etwa wie folgt in der redaktionellen Einlage des örtlichen Presseorgans publiziert worden: Es rühre sich bürgerlicher Widerstand, obgleich noch nicht einmal das "Umwelt-Verträglichkeits-Gutachten" vorliege (Anm. des Unterzeichneten: Dabei war nicht erwähnt, ob das Erstgutachten oder ein Referenzgutachten noch ausstehe). Leider ist die Presseerklärung mit einer unglücklichen Argumentation verbunden: Würde man einem Bürgerbegehren nach Befragung nachkommen, wäre der Bürgerbefragung auch in Sachen der Maststallungen das Tor geöffnet. Dieser Hinweis wäre falsch. Bei den industriellen Geflügelzüchtungen handelt es sich um berufliche Ausübung von Angesiedelten. Bei der Installation einer Kohle-Verbrennung handelt es sich um ausländische Investitionen, die dem Willen der fremden Betreiber unterstehen und durchaus nur latent den Arbeitsmarkt entlasten (in der Aufbauphase ab Mitte 2009 angeblich >1000 Arbeitsplätze, im späteren automatisierten Betrieb wesentlich weniger) können (man vergleiche Bochums Nokia-Engagament). Vereinzelt ist aus bürgerlicher Seite zu hören, dass das Vorhaben auch deswegen unglücklich ist, weil hier eine Umwelt belastet wird, die bereits der erwerbsträchtigen Stallungen wegen überlastet ist. Es ist der Bürger-Initiative (BI) fernerhin nicht erklärlich, warum der Region eine Umweltbelastung zugemutet wird, die im Ursprungsland der Investoren niemals genehmigt würde. Das bereitete üblen Nachgeschmack einer regionalen Wertung. Die Bürgerinitiative (BI) wendet sich gegen den Betrieb der Anlage. U.A. erfragt die BI den regionalen Wert der Investition, die erhebliche Folgeinvestitionen verlangt. So spielen nicht nur Schmutz- und Rußemission und die mit der Kühlung der Anlage verbundene Wasserüberwärmung, sondern auch noch die elektro-magnetischen Zu- und Ableitungen über und unter Land und die Schadstoff-Belastung im Klimabereich des Betriebes (Feinstaub-Immission) eine große Rolle. Ein Für und WiderDie Erzeugung elektrischer Energie erfolgt in Deutschland im Wesentlichen durch die vier großen Gesellschaften RWE, Vattenfall, EnBW und E.on. In der Regel haben diese Gesellschaften vor, eine brauchbare Größenordnung von MW des produzierten Stroms für den Eigenbedarf abzunehmen und auf diese Weise die Versorgungssicherheit sowie weiterhin günstige Preise für die Unternehmen und die Bevölkerung in ihrem Versorgungsgebiet sicher zu stellen. Das lässt sich leider für Dörpen dann nicht rechnen, wenn die Kosten für die Belastung des Gesundheitssystems einbezogen werden. Ein politisch häufig gebrauchtes Argument ist übrigens, dass eine Investition Arbeitsplätze schaffe. Dieses Argument ist nur für die Bauphase relevant und entfällt größtenteils beim Betrieb der hoch technisierten Anlage: Nach einer Untersuchung der Prognos AG vom Mai 2006 zu den "Regionalwirtschaftlichen Auswirkungen eines Kraftwerkneubaus" wird das ähnliche, in der Region Krefeld geplante Investitionsvorhaben während der Bauphase spürbare regionale Beschäftigungseffekte auslösen. In Spitzenzeiten werden mehr als 1.000 Personen auf der Baustelle beschäftigt. Verteilt auf die Bauphase von vier bis zu fünf Jahren wird das Arbeitsvolumen etwa 750 Arbeitsplätze pro Jahr bewirken, wovon rund 350 regional wirksame Arbeitsplätze sein werden. Laut Prognos sind mit der Investition aber ausschließlich 70 bis 75 neue Arbeitsplätze direkt am Kraftwerksstandort verbunden. Neben diesen direkten Arbeitsplätzen in der Betriebsphase werden weitere 90 Arbeitsplätze bei Zulieferern und direkt vom Kraftwerk profitierenden Branchen erwartet. Dabei werden höchstens 160 bis 165 Arbeitsplätze dauerhaft gesichert oder geschaffen. Die Genehmigung hochmoderner Steinkohlekraftwerke unterliegt in Deutschland den strengen Regeln und Normen des Bundesimmissionsschutzgesetzes. Dabei wird modernste Technologie verlangt. Ein vergleichbares Kraftwerk errichtet die Mainz-Wiesbaden AG mit einem 800 MW Steinkohle Heizkraftwerk und 7.500 Voll-Laststunden. Die dort zu verzeichnenden Emissionen sind erheblich und vergleichbar : Bei vollem Betrieb werden - trotz modernster Filter - jährlich - folgende Schadstoffe freigesetzt (die Summen sind realistisch geschätzt): - 500 kg Cadmium
- 1.000 kg Arsen
- 500 kg Thallium
- 2.000 kg Nickel
- 600 kg Quecksilber
- 6.000 kg Blei (womit große Mengen Schwermetalle in den menschlichen Ernährungskreislauf kommen) und etwa
- 400.000 kg Staub.
Auch bei Einhaltung der Grenzwerte werden also Menschen und Umwelt langfristig belastet. Die Möglichkeit (von der anderen Ortes gerne Gebrauch gemacht wird), bis zu 30% an so genannten Ersatzbrennstoffen wie z.B. Müll, Autoreifen, Tiermehl etc. mit zu verbrennen, ist zusätzlich gegeben, wobei wiederum erhebliche Emissionen dazukommen. Der Kühlwasserbedarf würde am Standort Dörpen durch Ems-/Kanalwasser gedeckt (3 Mio. Liter oder 3 000 Kubikmeter je Stunde). Das Wasser wird um ca. 3-10 Kelvin erwärmt (Ca. 35 Grad Celsius im Sommer, bzw. bei Stau des fließenden Wassers). Dabei sterben wichtige Mikroben ab; die Eigenregulation des Kompartimentes wird ernsthaft angegriffen. Die Neuanlage emittiert ca. 4,3 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr. Das ist viel. Die Gefährdungen für die menschliche Gesundheit sind hier unter den Punkten 1 bis 12 exemplarisch aufgeführt : Ärztliche und nicht-ärztliche Heilberufler sind darum gefragt [ACHTUNG: Sie können sich die Kopien als pdf-Dateien herunterladen von : http://nuv-online.de/?page_id=136 . Sie finden dort die Zusammenstellung der ersten 12 hier erwähnten Publikationen mit Kommentar von anderem Orte. Wir empfehlen aber, die bezeichneten Literaturzitate folgendermaßen zu verwenden] : 1. Peters, A., Döring, A., Wichmann, H. et al.: [publ. 31.6.1997] Increased plasma viscosity during an air pollution episode: A link to Mortality? The Lancet (1997) 349: 1582-1587. Es wird nachgewiesen, dass es in Augsburg im Jahr 1985 während einer Episode von 13 Tagen deutlich erhöhter Luftverschmutzung zu deutlich erhöhter Blutviskosität kommt, und damit die Inzidenz von Herzerkrankungen signifikant zunimmt. Erklärt wird es mit der Auslösung einer Entzündungsreaktion, die durch äußere toxische Teilchen hervorgerufen wird. 2. Stone, P.H.: [publ. 27.10.2004] Triggering Myocardial Infarction. N Engl J Med (2004) 351: 1716-1718. Stone beschreibt die Pathophysiologie der Entstehung von Arterio-Sklerose. Er sagt, dass epidemiologische Studien einen Zusammenhang zwischen Luftverschmutzung und Morbidität zeigen. Akute Belastungen z.B. im Straßenverkehr führt schon zu erhöhter Inflammation der Gefäße, erhöhter Viskosität und Vasokonstriktion. Langfristige Effekte von schmutziger Luft auf die proinflammatorischen, proarterio-sklerotischen und prothrombotischen Effekte sind zwingend. Es besteht eine hohe Notwendigkeit (greater urgency), unsere Anstrengungen zur Reduktion von Feinstaub zu beschleunigen und die cardiovaskuläre Risiken für Gesundheit zu verbessern. 3. Miller, K.A., Siscovick, D.S., Sheppard, L. et al.: [publ. 4.02.2007] Long-term Exposure to Air Pollution and Incidence of Cardiovaskular Events in Women. N Engl J Med (2007) 356: 447-458. In der Untersuchung von 66.000 Frauen konnte gezeigt werden, daß Frauen mit höherer Exposition zu Feinstaub (hier PM 2,5) eine deutlich höhere Rate an tödlich / nichttödlichen kardiovaskulären Ereignissen (Herzinfarkt, Schlaganfall…) erlitten. 10µg/m³mehr Feinstaub führte zu 24% höherer Rate an Ereignissen. 4. WHO Regional Office for Europe Copenhagen: [publ. 2005] WHO air quality guidelines global update 2005. WHO Reg Office Euro Copenhagen. Meeting report Bonn, Germany, 18-20. October 2005. Aufgrund von neuesten Untersuchungen/Berichten sollen den Regierungen Richtlinien an die Hand gegeben werden, Grenzwerte bezüglich einzelner Schadstoffe in der Luft einzurichten. Der Zusammenhang zwischen Luftverschmutzung und Herz-Kreislauferkrankungen und Lungenerkrankungen wird beschrieben. Bei Feinstaub PM 2,5 kann man sagen, dass es keinen unteren Schwellenwert gibt, unterhalb dessen keine Gesundheitsstörung auftritt (wie der Radioaktivität). Es geht um "quantitative assessment". Für PM 2,5 wurde als unter Grenze 10µg/m³ festgelegt. Bei 35µg/m³ ist die höchste Rate von Gesundheitsstörungen gesehen worden. Untersuchungen und Beschreibungen folgen für Ozon, NO2 und SO2. 5. Peters, A., von Klot, St., Heier, M. et al.: [publ. 21.01.2005] Exposure to Traffic and the Onset of Myocardial Infarction. Cross-over-study. N Engl J Med (2004) 351: 1721-1730. Es wird ein signifikanter Zusammenhang zwischen der im Straßenverkehr verbrachten Zeit und Myokardinfarkt gezeigt (n=691). Neben einer ausführlichen Darlegung des Studiendesigns werden die Effekte von Schadstoffen (Feinstaub), Stress ist diskutiert. 6. Pope,C.A., Muhlestein, J.B., May, H.T. et al.: [publ. 6.12.2006] Ischemic Heart Disease Events Triggered by Short-Term Exposure to Fine Particulate Air Pollution. Circulation (2006) 114: 2443-2448. http://circ.ahajournals.org/cgi/content/full/114/23/2443 . Kurzfristige Exposition von Feinstaub PM 2,5 kann bei disponierten Patienten einen Herzinfarkt triggern (signifikante Assoziation). 26.000 Patienten nach stattgehabter Coronarangiographie wurden im Zeitraum von 1994 - 2004 beobachtet. Der Autor hebt hervor, dass hier Patienten in gut definierten medizinischen Untersuchungsstatus, gut definiertem Aufenthaltsort des Patienten und tägliche Luftmessungen stattfanden, was gute Korrelationen erlaubt. Allerdings gilt diese Aussage nur für Patienten mit einer nachgewiesen KHK (Stenose einer Kranzarterie von > 70%). Für langfristige Effekte von Feinstaub keine Assoziation. 7. Brook, R.D., Brook, J.R., Rajagopalan, S.: [publ. 2003] Air Pollution: The "Heart" of the Problem. Current Hypertension Reports (2003) 5: 32-39. Die Autoren beschreiben die Pathophysiologie der Schädigung durch systemische Enzündungsreaktion, Risikoerhöhung für hohen Blutdruck. Hier wird genauer auf die Morphologie der Staubpartikel eingegangen und die Komplexität der biologischen Effekte je nach Analyse der Partikel. Eine Vielzahl von Studien hat Zusammenhänge zwischen Staubbelastung und Morbidität / Mortalität gefunden. Bei Samet et.al. (diese Studie wurde in den 20 größten Städten gemacht) wird eine Erhöhung der täglichen Todesrate von 0,51% für jede Zunahme von 10ug/m3 Staub PM 2,5 festgestellt. Dockery et al. fand eine Erhöhung der cardiopulmonalen Mortalität von 6-9% pro 10ug/m3 PM 2,5 über 16 Jahre. 8. Brook, R.D., Franklin, B., Cascio, W. et al.: [publ. 1.6.2004] Air Pollution and Cardiovascular Disease: A Statement for Healthcare Professionals from the Expert Panel on Population and Prevention Science of the American Heart Association. Circulation (2004) 112: 2655-2671. Es werden diverse Studien zitiert, die einen Zusammenhang aufzeigen zur Vorveröffentlichung. Es wird unterschieden in Studien, die kurzfristige Effekte zeigen und solche, die langfristige Effekte untersucht haben. Eine ausführliche Beschreibung der Pathophysiologie folgt. Trotz letztlich unvollständigem Verständnis sind aus den Studien Konsequenzen zu ziehen, nämlich in Anstrengungen zur Reduktion von Luftschadstoffen. 9. Pope, C.A., Burnett, R.T., Thurston, G.D. et al.: [publ. 6.1.2004] Cardiovascular Mortalitiy und Long-Term Exposure to Particulate Air Pollution. Circulation (2004) 112: 71-77. Daten der ACS (American Cancer Society) wurden mit Luftverschmutzungsdaten in amerikanischen Städten verlinkt. Dabei wurde gefunden, dass langfristige PM 10 - Exposition mit hoher Herzschädigungsrate einhergeht (8 - 18% Zunahme der Mortalität). Die Assoziation zu Lungenerkrankungen ist demgegenüber eher schwach. 10. Clancy, L., Goodman, P., Sinclair, H., Dockery, D.W.: [publ. 2002] Effect of air-pollution control on death rates in Dublin, Ireland. An intervention study. The Lancet (2002) 360: 1210-1214. Nach dem Verbot der Kohleverfeuerung in Dublin am 1.9.1990 wurde statistisch beobachtet, daß eine höhere als erwartete Reduktion der Morbidität und Mortalität von respiratorischen und kardiovaskulären Erkrankungen stattfand. Die Rauchkonzentration reduzierte sich von 35 auf 6 ug/m3 mit den darin enthaltenen Schadstoffen. In Dublin fanden sich 116 weniger Todesfälle respiratorisch und 243 Todesfälle kardiovaskulär. Es wurden jährliche Untersuchungen über 6 Jahre durchgeführt. 11. Kley, G.: [publ. 10.03.2006] Zunahme von Allergien bei Schulkindern. Dtsch Ärzteblatt (2006) 103: A577. Es wird gezeigt, daß eine Zunahme von Allergien im Schulkindesalter bei zunehmender Luftverschmutzung (Feinstaub, Stickstoffdioxid und Ozon) stattfindet. Die Studie wurde in Sachsen-Anhalt gemacht (Vergleich ost- und westdeutsche Kinder im Zusammenhang mit der entsprechenden Luftbelastung. 12. Zylka-Menhorn, V.: [publ. 8.04.2005] Feinstäube - Winzlinge mit großer Wirkung. Eine Konzentration, unter derer die Partikel gesundheitlich unbedenklich sind, ist bislang nicht bekannt. Dtsch Ärzteblatt (2005) 102: A954-A958. Grobe Feinstaubpartikel wurden mit den Jahren reduziert, Konzentrationen von Feinstäuben stiegen. Der Zusammenhang mit chronischem Husten, Bronchitiden, kardiovaskulären Erkrankungen, kardiovaskulären Risiken, Verschlechterung der Lungenfunktion, LungenCa und Verkürzung der Lebenserwartung gilt als gesichert. Dr. Lahl v Bundesumweltministerium: Wir können davon ausgehen, dass mehr Menschen durch Feinstaubexposition sterben als durch Verkehrsunfälle. Meßstationen messen pauschal nur die Masse aller Teilchen unter PM 10. Grenzwerte sind ein Kompromiß aus medizinisch Sinnvollem und technisch Machbarem. Deutlich erhöhte Feinstaubkonzentrationen führen zu einer erhöhten Herzinfarktrate von 48 %, nach 24 Stunden um 69 %. Eine erhöhte Feinstaubkonzentration um 10ug/m3 im Jahresmittel führt zu einer Erhöhung der Gesamtmortalität von 6%, 9% für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und 14% für LungenCa. In Mehrschadstoffmodellen konnte nachgewiesen werden, dass die Kurzzeitwirkungen von Schwebstaub bedeutsamer sind als die von gasfömigen Schadstoffen wie Ozon, No2, S92 und C0. Die Abgrenzung der Langzeitwirkungen verschiedener Schadstoffe voneinander ist dagegen schwieriger. Neben diesen, auszugsweise der Ärzte-Initiative für den Raum Krefeld entnommenen Zusammenstellungen spielen andere und neuere eine Rolle: 13. Mit Seitenblick auf die globale Erwärmung stellt das "Council of the EU-Commission" am 10.01.2007 fest: "(…The Councils conclusion confirms that (…) the global annual mean surface temperature increase should not exceed 2 centigrades (Celsius) above pre-industrial levels…" Quelle: EU-Council COM 2 final <www-Abruf unter EU-council> 2008-02-07 14. Mit Seitenblick auf kontrovers geführte Politik stellt Prof.(em.) Dr. Claus Grupen, Physik, Universität Siegen fest: "Bei vergleichbarer Erzeugung elektrischer Energie geben Kohlekraftwerke mehr radioaktive Stoffe an die Umwelt, als Kernkraftwerke bei störungsfreiem Betrieb." Gemäß Strahlenschutzkommission handelt es sich bei den von Kohlekraftwerken nach der Filterung über den Kamin emittierten Stoffen vor allem um radioaktive Isotope der Elemente Uran, Thorium, Radium, Blei und Polonium. Diese sind in der geologisch älteren Steinkohle in der Regel noch konzentrierter enthalten als in der jüngeren Braunkohle. Die über den Schornstein großflächig verteilten Radionuklide können über die Atemluft oder über die Nahrung in den menschlichen Körper gelangen. Bei den Radionukliden in der Kohle handelt es sich in erster Linie um Alphastrahler. Die Alphastrahlung ist um den Faktor 20 biologisch wirksamer (gefährlicher) als die Beta- oder Gammastrahlung, wenn sie im Innern des menschlichen Körpers zur Wirkung kommt und dabei eventuell Krebserkrankungen auslöst. Quelle: http://nuv-online.de/wp-trackback.php?p=431 15. In Deutschland haben sich mehrere Ärzteinitiativen gebildet und zusammen- geschlossen [publ. 21.11.2007] : Humburg, M. zit. Von Spanner, E.: Ärzte warnen vor Kohlekraftwerken. Wilhelmsburger Ärzteschaft. Zit. bei taz u.a. RegionalZeitungen : Dass das geplante Kohlekraftwerk in Hamburg-Moorburg ein Klimakiller wird, ist bekannt…Danach aber, wie ungesund ein solches Kraftwerk für die Wohnbevölkerung ist, hat den Mediziner (den Arzt Manuel Humburg), der seit 30 Jahren im Nachbarstadtteil Wilhelmsburg praktiziert…, bislang noch niemand gefragt. Dabei ist offensichtlich, dass die Belastung der Luft mit Feinstaub erheblich zunehmen wird - und damit Atemwegs-Erkrankungen, Allergien und Herz-Kreislauf-Probleme der Menschen in der Region. Humburg: "Besonders Kinder werden unter den zusätzlichen Immissionen zu leiden haben." Laut einer Studie der EU aus dem Jahr 2005 sterben in Deutschland jedes Jahr etwa 65.000 Menschen an den Folgen von Feinstaub. Leidtragende sind vor allem ältere Menschen und Kinder. Studien zufolge haben Kinder in belasteten Gebieten ein um 30 Prozent erhöhtes Asthma-Risiko. Bei Kindern, die etwa durch starken Verkehr ständig Emissionen ausgesetzt sind, ist die Lungenkapazität um etwa zehn Prozent reduziert. Außerdem treten HNO-Infekte um 20 Prozent häufiger auf als bei Mädchen und Jungen in wenig von Abgasen belasteten Gebieten. Die Gefahr, an Neurodermitis zu erkranken, steigt, ebenso das Allergie-Risiko. Das GSF-Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit bei München hat ermittelt, dass Schwangere, die viel Feinstaub einatmen, häufiger Kinder mit niedrigem Geburtsgewicht unter 3.000 Gramm bekommen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hält deshalb 5 Mikrogramm lungengängigen Schwebstaubes pro Kubikmeter Luft gerade noch für tolerabel. Das Bundesimmissionsschutzgesetz hat den erlaubten Höchstwert auf 40 Mikrogramm festgesetzt. Der wird in Moorburg und den Nachbarstadtteilen Wilhelmsburg und Harburg schon heute an 13 Tagen im Jahr überschritten. In Lünen, am Rande des Ruhrgebietes, haben sich 96 Mediziner zum Protest vernetzt. Im Saarland haben sich 400 Ärzte zusammengeschlossen. In einem offenen Brief haben sie den saarländischen Ministerpräsidenten Peter Müller (CDU) aufgefordert, das von RWE geplante größte deutsche Kohlekraftwerk im Kreis Saarlouis zu stoppen. "Besonders betroffen werden die Kinder sein, deren Atemwege während der Entwicklung und Ausreifung bereits dauerhaften Schaden durch zusätzlich Mengen von Umweltgiften erleiden müssen", heißt es in dem Brief. Der … Ärzteverband … des Saarlandes hat sich dem Protest angeschlossen. "Das ist ärztliche Pflicht", sagte die stellvertretende Vorsitzende Sigrid Bitsch in einem Zeitungsinterview. Diese Zitate sind nur Auszüge aus derzeit anstehenden und laufenden Berichts- Sammlungen. Viele Ärztevernetzungen behalten sich weitere Schritte vor. Wir bitten mit diesem Schreiben die (ärztlichen und auch die nicht-ärztlichen) Heilberufler im potentiell beeinträchtigten Bereich um die persönliche Prüfung dieser Aussagen und dann um die Erklärung, mit uns im Widerstand konform zu gehen. Mit freundlichen Grüßen Gez. Dr. Heinz Spranger - EINE AKTION DER BÜRGER-INITIATIVE - http://www.saubere-energie-doerpen.de/ - Bitte senden oder faxen Sie dieses Blatt unterschrieben an diese Adresse / Fax.Jan Deters - Meissner Eichenstr. 23 26892 Wippingen Fax: 04966 / 914924 Name Stempel Unterschrift
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