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Ems-Zeitung vom 04.02.2010

Leserbriefe

Bürgerproteste lohnen sich

Zum Artikel „Hartz-IV-Empfänger zum Dienst in Vereine?“ (Ausgabe vom 30. Januar):

„Was ist das nur für ein Demokratieverständnis? Landrat Hermann Bröring hat als Gastredner beim Neujahrsempfang des CDU-Ortsverbandes in Dörpen den dortigen Gemeinderat dafür gelobt, dass man in der Kraftwerkdebatte den Bürgerwillen missachtet hat. Er befürchtet, dass es schwierig sei, bei den nächsten Kommunalwahlen Bürger zu finden, die bereit sind, sich für das Gemeinwohl einzusetzen und sich wählen zu lassen.

Dass immer mehr Bürger politik(er)verdrossen sind, dazu trägt gerade der Landrat durch sein Verhalten bei. Wenn Bürger nicht ernst genommen und ignoriert werden, dann wenden sie sich von der Politik ab. Wenn dann noch Bürger, die sich gegen ein Kohlekraftwerk und für die Zukunft der Region und der nachfolgenden Generationen einsetzen, von Politikern diffamiert und unsachlich angegriffen werden, dann verlieren sie den Glauben an die Volksvertreter, die sie ja eigentlich vertreten sollen.

Trotzdem hat gerade die Situation um das nun verworfene Kohlekraftwerk in Dörpen gezeigt, dass sich Bürgerproteste lohnen. Es werden sich durch das Verhalten der CDU nicht weniger, sondern mehr Menschen politisch engagieren. Darum kann auch die Aussage seitens Herrn Bröring, dass die BI und engagierte Bürger ‚nach Hause gehen‘, nur als Wunschdenken gewertet werden. BI und Bürger werden weiterhin den Finger in die Wunde legen und genau hinsehen, ob die CDU weiter (Energie-)Politik an den Bürgern vorbei gestaltet oder diese mit ins Boot nimmt.“

Frank Rieken
Clemenswerth 22a
Esterwegen


Ems-Zeitung vom 05.02.2010

Leserbrief

Personenstimme vor Parteistimme

Zum Artikel „Hartz-IV-Empfänger zum Dienst in Vereine?“ (Ausgabe vom 30. Januar):

„Beim Neujahrsempfang des CDU-Ortsverbandes in Dörpen betonte Landrat Hermann Bröring unter anderem, dass auch kommunalpolitisches Engagement ehrenamtlicher Einsatz sei und er in diesem Zusammenhang den Hut vor den CDU-Mitgliedern im Dörpener Gemeinderat ziehe, die in der Diskussion um das umstrittene Steinkohlekraftwerk nicht die Flinte ins Korn geworfen hätten. Weiterhin befürchte er, dass es schwierig werden würde, Bürger zu finden, die bereit wären, sich über fünf Jahre für das Gemeinwohl zu engagieren. Und wozu bräuchte man überhaupt noch Gemeinderäte, wenn Bürger in Form von Bürgerentscheidungen beteiligt wären?

Was will uns Herr Bröring damit sagen? Schließt das eine das andere aus? Dass die Arbeit der Gemeinderäte ehrenamtlich und es nicht immer einfach ist, die kompetenten und dem Gemeinwohl verpflichteten Bürger für den Gemeinderat zu gewinnen, will sicher niemand bestreiten.

Aber gerade die Frage, ob die Bürger besser beteiligt werden sollen, trägt meiner Meinung nach zur Lösung des von Herrn Bröring geschilderten Problems bei. Es würden sich mehr Bürger für ein fünfjähriges Amt in einem Gemeinderat interessieren, wenn die Personenstimme vor der Parteistimme zählen und der Bürgermeister direkt gewählt würde. Ein Fraktionszwang führt doch dazu, dass der Bürger das Gefühl hat, was die Verwaltung vorlegt, werde nur noch ‚abgenickt‘.

Kompetente und auch politisch engagierte Bürger gäbe es genügend – das hat man in den letzten Jahren auch im Emsland erkennen können. Nun sollte ein qualifizierter Diskussionsprozess beginnen, um ernsthaft die Ursachen zu ermitteln, warum so viele Bürger den etablierten Parteien den Rücken kehren und eben eher außerparlamentarisch tätig sein wollen. Woher weiß denn eigentlich der Herr Landrat, dass die BI ihre Tätigkeiten und ihr damit verbundenes Engagement für eine saubere Umwelt eingestellt hat? Er sollte sich doch vielleicht auch hier besser informieren. Seitenhiebe auf die in der Vergangenheit liegenden Differenzen mit der BI sind hier wenig hilfreich und bestimmt nicht förderlich für eine neue Gesprächskultur. Eine Kultur, in der ein offener Meinungsaustausch stattfindet und der Bürger davon profitiert, dass die gewählten Vertreter auch während ihrer Amtszeit den Bürgerwillen erforschen und in ihren Entscheidungen berücksichtigen, wäre ein wichtiger und richtiger Anfang.“

Matthias Witte
Hölderlinstraße 5
Dörpen


Ems-Zeitung vom 05.02.2010

Energie effizient und sparsam einsetzen

Papenburg beteiligt sich an Klimaschutzinitiative des Landkreises – Konzept in Arbeit

ys Papenburg. Strom aus erneuerbaren Energien, Sanierung der städtischen Gebäude, weniger Spirtverbrauch des zurzeit etwa 50 Lkw, Pkw und Schlepper umfassenden Fuhrparks sowie eine verbesserte Beratung der Bürger in Sachen Energieeinsparung. Das sind einige Ziele des künftigen Papenburger Klimaschutzkonzepts.

Dessen Grundlagen haben Bürgermeister Jan Peter Bechtluft und Umweltdezernent Dirk Landeck gestern vorgestellt. Die Stadt beteiligt sich damit an der Ende vergangenen Jahres vom Landkreis Emsland angestoßenen Initiative für mehr Energieeffzienz und für eine Reduzierung des CO2 -Ausstoßes. Die Verwaltung hat jetzt unter Federführung Landecks zehn Handlungsempfehlungen erarbeitet, die auf mittlere Sicht in das Klimaschutzkonzept der Stadt münden sollen.
Laut Bechtluft stehen die Bemühungen unter der nicht neuen, aber trotzdem aktuellen Devise „Global denken und lokal handeln“. Es gehe jetzt darum, die auch in der Vergangenheit schon unternommenen Maßnahmen auf dem Energiesektor zu bündeln und aus verschiedenen „Mosaiksteinen“ eine Gesamtstrategie zu entwickeln. Dabei müsse die Bewertung der notwendigen Investitionen vor allem unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit stehen.

Landeck nannte in diesem Zusammenhang den verstärkten Einsatz erneuerbarer Energien bei der Stromversorgung. Der bestehende Vertrag mit der EWE laufe 2012 aus. Es sei zu überlegen, im Sinne des globalen Klimaschutzes künftig nur noch Strom zu beziehen, der unter ökologischen Gesichtspunkten erzeugt werde. Dies sei allerdings zurzeit noch mit Mehrkosten verbunden. Landeck: „Bei einem Verbrauch von fünf Millionen Kilowattstunden pro Jahr ist mit rund 15 000 Euro zu rechnen.“ Auf die CO2 -Bilanz der Stadt werde sich die Umstellung aber sicher positiv auswirken.

Aufgeführt sind in den Empfehlungen der Verwaltung zudem eine Festlegung von Energiestandards bei Baumaßnahmen und eine „Sanierungsoffensive“ beim vorhandenen Gebäudebestand. Bürgermeister Bechtluft wies auf schon abgeschlossene energetische Maßnahmen an drei städtischen Schulen hin. „Mit relativ wenig Aufwand sind hier große Wirkungen erzielt worden.“

Um auch den Bürgern Einsparpotenziale aufzuzeigen, soll das bestehende Angebot für Bauherren in Zusammenarbeit mit der Verbraucherzentrale Niedersachsen durch eine Beratungsstelle im Rathaus erweitert werden. Das Interesse am Thema ist laut Bechtluft groß. Er sei „überrascht“ gewesen, dass bis zu 30 Teilnehmer an Workshops für potenzielle Häuslebauer am Spillmannsweg gekommen waren. In dem geplanten Baugebiet mit 35 bis 40 Grundstücken werden nur Gebäude mit besonders niedrigem Energieverbrauch zugelassen. Es seien von den Bauinteressenten zahlreiche Vorschläge gemacht worden, die in die Planungen der Stadt aufgenommen werden sollen, so Bechtluft.


Ems-Zeitung vom 05.02.2010

Abwärme aus Biogas für öffentliche Gebäude in Werlte?

CDU-Gemeinderatsfraktion will Energiekosten senken – Auf der Suche nach Lösungen

hjh Werlte. Die CDU-Fraktion im Werlter Gemeinderat beschäftigt sich zurzeit mit der Möglichkeit, öffentliche Gebäude des Ortes mit Wärme aus einer Biogasanlage zu versorgen.

Um sich erste Eindrücke über Funktion, Betrieb und Leistungsfähigkeit einer Biogasanlage zu verschaffen, besichtigten die Kommunalpolitiker gemeinsam mit der Verwaltungsspitze die gerade erst in Betrieb genommene Biogasanlage des Landhandelsbetriebes Hüntelmann Agrar im Gewerbegebiet Lahn. Inhaber Hermann Hüntelmann und dessen Söhne informierten die Gruppe über die 499-kW-Biogasanlage, die aus nachwachsenden Rohstoffen Strom und Wärme produziert, sowie die Abwärmenutzung.

Nach Ansicht von Fraktionssprecher Daniel Thele wäre die Abwärmenutzung aus einer solchen Biogasanlage auch für die öffentlichen Gebäude in der Gemeinde Werlte interessant, um die Energiekosten zu reduzieren. „Wir werden uns als CDU-Fraktion mit den gewonnenen Informationen beschäftigen und nach Lösungen für unsere Gemeinde suchen.“


Ems-Zeitung vom 01.02.2010

Landrat Bröring: Lebensqualität im Landkreis auch künftig sichern

Ausschuss diskutierte Entwurf für neues Regionales Raumordnungsprogramm

lj Meppen. „Das neue Regionale Raumordnungsprogramm (RROP) des Landkreises dient dazu, die Lebensqualität im Emsland auch unter veränderten demografischen Bedingungen zu sichern.“ Das betonte Landrat Hermann Bröring in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Kreisentwicklung bei der Erläuterung des RROP-Entwurfs.

Integriert wird eine Umweltprüfung. Deren Ergebnisse werden in einem Umweltbericht erfasst.

Bei Stimmenthaltung von Günther Pletz (UWG) gab der Ausschuss grünes Licht dafür, dass auf der Grundlage des Entwurfs jetzt das Beteiligungsverfahren eingeleitet werden kann. So werden die 19 kreisangehörigen Städte, Einheitsgemeinden und Samtgemeinden um Stellungnahmen gebeten.

Bröring machte deutlich, dass die Spielräume der Kommunen weitestgehend erhalten bleiben sollen. Mit Blick auf die demografische Entwicklung sprach sich der Landrat allerdings gegen weitere Wohngebiete „auf der grünen Wiese“ aus. „Neue Bebauung sollte es nur noch in Fortsetzung bestehender Siedlungsgebiete geben“, unterstrich Bröring. Im Übrigen setze der Landkreis auf Lückenbebauung.

Der Landrat verwies darauf, dass laut Entwurf allen 19 Kommunen weiterhin die Schwerpunktaufgaben „Sicherung und Entwicklung von Wohnstätten“ sowie „Sicherung und Entwicklung von Arbeitsstätten“ zugewiesen werden. Erstmalig sollen Haren sowie die Samtgemeinden Dörpen und Spelle die mittelzentralen Teilfunktionen „Hafen/Logistik“ erhalten. Der SG Spelle wird zudem gemeinsam mit Salzbergen die gemeinsame mittelzentrale Teilfunktion „Arbeitsmarkt“ zugedacht. Dies ist auch für die Samtgemeinden Sögel und Werlte vorgesehen.

Neu ist auch, dass im Entwurf des RROP einzelne Orte die Entwicklungsaufgabe „Tourismus“ erhalten und andere sich mit „Erholung“ begnügen müssen. Als regional bedeutsame Erholungsschwerpunkte wurden Neuringe und die Hüvener Mühle neu aufgenommen.

Trotz des demografischen Wandels solle im RROP der Erhalt eines flächendeckenden Schulangebotes festgeschrieben werden, betonte Bröring. „Deshalb wollen wir grundsätzlich keine Auflösung von Schulstandorten.“ Grundschulen sollten möglichst erhalten bleiben, gegebenenfalls auch mithilfe von Kooperationen über Gemeindegrenzen hinweg.

Für die geplante 380-kV-Leitung „Diele–Niederrhein“ soll ein Raumordnungsverfahren durchgeführt werden. Im RROP ist daher keine Trassenführung eingezeichnet. Nach Angaben von Bröring haben die Betreiber bislang keinen Entwurf für eine Trasse vorgelegt.

Für die CDU-Fraktion begrüßte Willi Brundiers die geplanten Veränderungen im neuen RROP. „Die Ausweisung der genannten Gemeinden zu Grundzentren mit mittelzentralen Teilfunktionen geht nicht zulasten benachbarter zentraler Orte. Die Teilfunktionen sind ortsbezogen und beeinflussen nicht die Entwicklung der zentralen Nachbarorte.“

Nikolaus Schütte zur Wick (Grüne) kritisierte, dass Dörpen als Kraftwerksstandort vorgesehen sei. Bröring erwiderte, dass dies im Landesraumordnungsprogramm so festgelegt sei und er dies mit Blick auf die Schaffung von Arbeitsplätzen auch für richtig halte. Günther Pletz (UWG) monierte, dass im Entwurf noch keine Planung für ein neues Industriegebiet an der ausgebauten B 402 im Bereich der Stadt Meppen enthalten sei.


EL-KURIER vom 31.01.2010

Strom von der Stadt

BI „Saubere Energie“ will kommunale Energieversorgung

Von Björn Dieckmann Dörpen (eb) – Ende 2012 läuft der Vertrag aus, der das Emsland derzeit an einen Energielieferanten bindet. Ein zentrales Anliegen der Bürgerinitiative (BI) „Saubere Energie“ ist es, so das Ergebnis eines Mitgliedertreffens am Freitagabend, dass danach die Versorgung mit Strom und Gas durch durch die Kommunen übernommen werden soll.

Bernd Albers, Sprecher der BI Hümmling, erläuterte, dass nach seiner Meinung die Energieversorgung nach einer „Rekommunalisierung“ sowohl umweltschonender als auch kostengünstiger werde. Und: „Wir Bürger haben mehr Einfluss, wenn die Städte und Gemeinden in eigener Trägerschaft Strom und Gas liefern. Denn letztlich gehören sind es dann wir als Steuerzahler, denen diese Stadtwerke gehören.“ Die Zeit bis 2012 gelte es zu nutzen, um die Vorteile der kommunalen Energieversorgung in der Bevölkerung und der Politik herauszustellen.

Überhaupt, so Albers weiter, „dürfen wir die Strukturen, die wir jetzt in der BI haben, nicht ins Nirwana verschwinden lassen. Wir müssen aktiv bleiben.“ In der Satzung der Bürgerinitiative stehe nicht, „dass wir das Kohlekraftwerk in Dörpen verhindern wollen, sondern dass wir alternative Energien fördern wollen.“

Dem schloss sich auch Ludwig Koopmann, ebenfalls BI Hümmling, an. „Wir wollen weitere Ideen entwickeln und damit auch die Politik unter Druck setzen.“ Es gehe darum, das Emsland energiepolitisch komplett neu aufzustellen und klimafreundlich auszurichten.“ Dabei brachte Koopmann auch die Idee ins Spiel, die Ideen der BI in eine zu gründende „Stiftung Neue Energie Emsland“ einfließen zu lassen. Weitere Unterstützung erhalten die Umweltaktivisten dabei künftig übrigens von Pastor Gerrit Weusthof. Er erklärte als Teilnehmer der Versammlung, dass er nun der BI beitreten wolle, „um die Zukunft mitzugestalten.“

Das Engagement der Bürgerinitiative gegen das einst geplante Steinkohlekraftwerk (StKW) in Dörpen ließ Inge Stemmer Revue passieren. Als „Höhepunkt des Widerstands“ wertete sie die Demonstration am 1. 6. 2008, an der 5000 Menschen teilgenommen hätten. „Dies war die größte Demo, die es je im Emsland gegeben hat, und übrigens auch die größte Kundgebung, die es je in Deutschland gegen ein Kohlekraftwerk gegeben hat.“

In all der Zeit, so Stemmer, habe sie „eine Demonstration pro Kraftwerk oder Unterschriftenlisten ähnlichen Ausmaßes vermisst.“ Der Politik warf sie vor, den Widerstand gegen das Vorhaben „kleingeredet und -gerechnet“ zu haben. Nach der Absage von UPM Nordland Papier an einer Beteiligung an dem Kraftwerk sei der Druck von Enercon-Chef Aloys Wobben (Windrotorenwerk in Haren nur bei Aufgabe der StKW-Pläne) das deutlichste Signal gewesen, „dass das Projekt zum Scheitern verurteilt ist“.


Ems-Zeitung vom 30.01.2010

Hartz-IV-Empfänger zum Dienst in Vereine?

Ehrenamt fördern: Bröring will neue Wege gehen

gs Dörpen. Landrat Hermann Bröring hat seine Forderung unterstrichen, bei der Förderung des Ehrenamtes neue Wege zu gehen. „Die immensen Summen der Passivleistungen für Hartz-IV-Empfänger beispielsweise könnten in sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse umgewandelt werden“, schlug Bröring als Gastredner beim ersten Neujahrsempfang des CDU-Ortsverbandes in Dörpen vor. Bröring zufolge können gemeinnützige Organisationen wie beispielsweise Sportvereine davon profitieren.

gs Dörpen. Ähnlich hatte sich der Landrat vor zwei Wochen in einem Interview mit unserer Zeitung geäußert. Der Einladung zum Empfang, die im Zeichen des Ehrenamtes stand, waren am Donnerstagabend knapp 100 Gäste in den Saal Westhus gefolgt, darunter zahlreiche Vertreter aus Dörpener Vereinen und Verbänden.

Um ehrenamtlich tätige Vereinsvorstände von Arbeit zu entlasten, sollten Hartz-IV-Empfänger den Vereinen für alle Hilfsdienste zur Verfügung stehen, erklärte Bröring. Aus seiner Sicht gibt es bei dem Modell nur Gewinner. Die Vorteile für die Vereine lägen auf der Hand, und den Hartz-IV-Empfängern würde klar, dass die Gesellschaft sie brauche. Ein früherer Vorstoß seinerseits sei vom Arbeitsminister der Vorgänger-Bundesregierung, Olaf Scholz (SPD), abgelehnt worden, sagte Bröring. Zuletzt hatte sich auch Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) von einer Forderung des hessischen CDU-Ministerpräsidenten Roland Koch nach einer Arbeitspflicht für Hartz-IV-Empfänger distanziert.

Angesichts einer zahlenmäßig schrumpfenden und älter werdenden Bevölkerung sowie des zunehmenden Wegfalls der Mehrgenerationenfamilie werde die Zukunftsfähigkeit des Emslandes maßgeblich durch das Ehrenamt mitbestimmt, betonte Bröring. Umso mehr komme es darauf an, „dass es in der Dorf- und Stadtteilgemeinschaft bürgerschaftliches Engagement gibt, das als eine ‚Ersatzfamilie‘ zunehmend die sozialen Bedürfnisse nach Geborgenheit, gesellschaftlichem Miteinander und Solidarität befriedigt“. Tatsächlich heben lässt sich der „Schatz des Gemeinwesens“ aus der Sicht von Bröring aber erst in der Zusammenarbeit von Landkreis und ehrenamtlich Engagierten.

Der Landrat betonte, dass auch kommunalpolitisches Engagement ehrenamtlicher Einsatz sei. In diesem Zusammenhang ziehe er den Hut vor den CDU-Mitgliedern im Dörpener Gemeinderat, die in der Diskussion um das umstrittene Steinkohlekraftwerk die Flinte nicht ins Korn geworfen hätten. „Sie hätten es auch machen können wie die Bürgerinitiative und sagen können: Ich kümmere mich um ein Projekt, gehe dann nach Hause, und keiner zieht mich dafür zur Verantwortung.“

Bröring befürchtet mit Blick auf die nächsten Kommunalwahlen, dass es schwierig werde, „Bürger zu finden, die bereit sind, sich über fünf Jahre für das Gemeinwohl zu engagieren“. Die während der Kraftwerksdiskussion laut gewordenen Forderungen nach mehr Bürgerbeteiligung in Form von Bürgerentscheiden seien durchaus diskussionswürdig. „Aber wozu brauchen wir dann noch einen Gemeinderat?“, fragte Bröring.

CDU-Ortsvorsitzender Alexander Meentken griff eine Idee von Ulrich Nehe auf. Der Vorsitzende des Sozialdienstes Katholischer Frauen und Männer Papenburg habe angeregt, Obstbäume zu pflanzen und die Ernte den Tafeln beziehungsweise Schülern zur Verfügung zu stellen. Vereine könnten Patenschaften für Bäume übernehmen.


Der Wecker vom 27.01.2010

Bürgerinitiative zieht Bilanz

Die Mitglieder der "Saubere Energie"-Bewegung in Dörpen wollen am Freitag ihre Protestarbeit gegen das Kohlekraftwerk auswerten.

DÖRPEN. "Das geplante Kohlekraftwerk in Dörpen ist Geschichte. Die Antikohlekraftbewegung hat einen Erfolg errungen, unsere Arbeit hat sich gelohnt. Viele kleine Mosaiksteine haben im Ganzen zu einem Erfolg geführt." Das stellt Jan Deters-Meissner aus Wippingen von der Bürgerinitiative (BI) "Saubere Energie" in Dörpen mit - und kündigt für den kommenden Freitag, 29. Januar, eine große Bilanzveranstaltung im Saal Westhus in Dörpen an. Beginn ist um 20 Uhr. Der Titel: "Rückblick und Ausblick - Bürgerprotest lohnt sich!" Neben den Aktiven der emsländischen BI werden auch die Unterstützer aus den Naturschutzverbänden in Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden in Dörpen erwartet.

"Wir möchten mit unserer Auswertung auch eine Hilfestellung für andere Menschen und Bürgerinitiativen geben für deren Auseinandersetzungen um den Klimaschutz und gleichzeitig allen danken, die mit ihrem Engagement geholfen haben, den Klimakiller im Emsland zu verhin-dern", stellt Deters-Meissner fest. Ein wichtiger Aspekt dieser Veranstaltung werde die Verständigung über die weiteren Schritte sein. Die BI fordert nach wie vor, dass Dörpen als Großstandort aus der Landesraumordnung gestrichen wird, weil diese Festlegung die indus-trielle Entwicklung Dörpens lähmt und weitere Versuche, klimafeindliche Technologie zu installieren, möglich macht. Die monopolisierte Stromindustrie sei eine wichtige Ursache für das Setzen auf Kohle und Atom. "Deswegen will die Bürgerinitiative jetzt unbedingt Wege zu einer dezentralen, bürgernahen Energiestruktur diskutieren", heißt es in der Mitteilung.


Ems-Zeitung vom 27.01.2010

Im Blickpunkt BI zieht Bilanz des Widerstands

Dörpen. Die Bürgerinitiative (BI) „Saubere Energie“ lädt am Freitag, 29. Januar, um 20 Uhr im Saal Westhus in Dörpen zu einer „Bilanzveranstaltung“ über den erfolgreichen Widerstand gegen das Kohlekraftwerk ein. Der Abend steht unter der Überschrift „Rückblick und Ausblick – Bürgerprotest lohnt sich!“ Es werden auch die Unterstützer aus den Naturschutzverbänden in Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden erwartet. Die BI möchte mit der Auswertung auch eine Hilfestellung für andere Initiativen geben und allen danken, „die mit ihrem Engagement geholfen haben, den Klimakiller zu verhindern“, wie es in der Einladung heißt. Zudem sollen die weiteren Schritte erörtert werden. Die BI fordert, Dörpen als Großstandort aus der Landesraumordnung zu streichen, weil diese Festlegung die industrielle Entwicklung lähme und weitere Versuche, klimafeindliche Technologie zu installieren, möglich mache.


Ems-Zeitung vom 23.01.2010

150 Haushalte sparen 380 Tonnen CO2 ein

Zwischenbilanz des Klimaschutzprojekts von EWE und Landkreis Emsland – Neue Prämie entwickelt

Werlte/Sögel. In den vergangenen zwei Jahren haben rund 150 Haushalte in Sögel und Werlte durch einen verminderten Erdgasverbrauch circa 380 Tonnen CO2 eingespart. Diese Zwischenbilanz des auf drei Jahre ausgelegten Pilotprojekts „Modellregion Emsland“ teilte der Energieversorger EWE in einer Presseinformation mit.

Im Zuge der gemeinsamen Aktion von EWE und dem Landkreis Emsland wird bei den Teilnehmern untersucht, wie der CO2 -Ausstoß von Gebäuden durch einen neuen, erdgasbetriebenen Heizkessel, den Einsatz erneuerbarer Energien, durch Modernisierung, Sanierung oder ein verändertes Verbrauchsverhalten der Bewohner verringert werden kann. Nach Darstellung der EWE wurden die Teilnehmer anfangs von Spezialisten intensiv beraten. Für jede Tonne CO2 , die sie zusätzlich einsparen, erhalten sie eine Prämie in Höhe von 20 Euro.

EWE-Projektleiter Andreas Gerbrand ist mit der Zwischenbilanz sehr zufrieden: „Im Durchschnitt verringerte jeder der teilnehmenden Haushalte den Ausstoß des klimawirksamen Treibhausgases um 2,5 Tonnen – eine beachtliche Menge.“
Die bisher gesammelten Erfahrungen aus dem Klimaschutzprojekt wurden laut EWE zwischenzeitlich für die Entwicklung der sogenannten CO2 -Prämie genutzt. Mit der seit Kurzem erhältlichen Prämie können erstmals Privathaushalte vom internationalen Emissionshandel profitieren. Jede durch den Erdgasverbrauch im Haushalt eingesparte Tonne Kohlenstoffdioxid wird mit 20 Euro vergütet. Zusätzlich hilft der reduzierte Erdgasverbrauch, die individuellen Energiekosten zu senken.

Voraussetzung für die Teilnahme ist eine Energieberatung und die anschließende Mindestinvestition in Höhe von 50 Euro in eine Energiesparmaßnahme.
Weitere Informationen sind im Internet unter www.ewe.de » oder telefonisch unter 0 18 02/39 31 00 erhältlich.


Ems-Zeitung vom 19.01.2010

Engagierte Bürger übernahmen das örtliche Stromnetz

BI Hümmlingzeigt Alternative auf

Sögel. Mit dem Thema „Alternative Energieaufstellung am Beispiel Schönau und der EWS“ hat sich der Ortsgruppenverbund Hümmling der Bürgerinitiative (BI) Saubere Energie während eines Vortragsabends in Sögel beschäftigt. Im Mittelpunkt standen nach Mitteilung der BI Sögel die Ausführungen von Dr. Eva Stegen vom Stromanbieter Elektrizitätswerke Schönau (EWS).

Vor rund 200 Gästen berichtete Stegen über die Entstehung und die Arbeit des Ökostromanbieters in dem kleinen Ort Schönau im Schwarzwald. Nach der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl im Jahre 1986 hatten sich engagierte Bürger zusammengetan und in einer spektakulären Aktion das örtliche Stromnetz übernommen. Stegen zeigte auf, wie sich die EWS aus einer Bürgerintiative heraus zu einem professionellen, deutschlandweit agierenden Stromanbieter entwickelt hat, der mittlerweile mehr als 90 000 Stromkunden versorgt. „Die Energieversorgung geht uns alle an“, appellierte Stegen. „Vor Ort kann man sehr viel leisten und aktiv den Klimawandel bekämpfen“, so das Fazit Stegens.
Im Anschluss an den Vortrag zeigte Christoph Gravel, Geschäftsführer des Bürgerwindparks in Lorup, auf, dass es erfolgreiche Projekte regenerativer Energieerzeugung auch im Emsland gibt. Gravel stellte die Zahlen des genossenschaftlich organisierten Unternehmens vor. Er verwies darauf, dass man sich mit der Schaffung eines Bürgersolarprojektes auch auf weiteren Feldern regenerativer Energie engagiere.

Die Fragerunde nutzte Wilfried Freerks, Geschäftsführer des Lathener Nahwärmenetzes, dazu, das ebenfalls in Bürgerhand befindliche Nahwärmenetz vorzustellen. Freerks erläuterte, dass die Genossenschaft Lathener Bürgern und der Kommune kostengünstig umweltfreundlich erzeugte Wärme zur Verfügung stelle. Dabei gebe es eine gute Zusammenarbeit mit dem örtlichen Energieversorger EWE, betonte Freerks.

Der Moderator der Veranstaltung, Frank Klaß, machte das Ziel des Vortragsabends deutlich: „Zwar hat die BI ihr Ziel, die Verhinderung des Kohlekraftwerkes, erreicht, aber man muss nun auch deutlich machen, welche Chancen die erneuerbaren Energien für unsere Region darstellen.“ Bernd Albers, Sprecher der BI Hümmling, appellierte an die verantwortlichen Politiker, dezentrale Energieerzeugung weiter zu fördern. Er betonte das Anliegen der BI, unter anderem durch Rekommunalisierung im Energiesektor zu einer „größeren regionalen Wertschöpfung“ im Emsland zu kommen.


Der Wecker vom 17.01.2010

Bürger erzeugen Strom selbst

In Sögel sprach Dr. Eva Stegen über die bürgereigenen Elektrizitätswerke in Schönau und die Nutzung von Ökostrom.

Von Jürgen Eden
SÖGEL. Nach dem Aus für den Bau eines Kohlekraftwerkes in Dörpen engagiert sich die Bürgerin-itiative "Saubere Energie" nun für die Nutzung regenerativer Energien im Emsland. Wie das ausehen könnte, darüber sprach am Freitagabend im Clemenswerther Hof in Sögel vor rund 180 Gästen Dr. Eva Stegen. Sie ist Mitarbeiterin der Elektrizitätswerke Schönau (EWS) und zuständig für die Beratung und die Öffentlichkeitsarbeit.

Schönau ist eine kleine Stadt im Hochschwarzwald. Die Gründung der EWS geht auf das Engage-ment einer Bürgerinitiative (BI) zurück. Gemeinsam mit Umweltverbänden und weiteren Bls setzt sich das bürgereigene Unternehmen für eine atomstromlose, ökologische und dezentrale Energieversorgung ein. Die EWS sind bundesweit die einzigen Ökostromanbieter. Sie fördern unter anderem die Inbetriebnahme kleiner Ökokraftwerke. So haben sich viele Schönauer inzwischen für die Nutzung von Photovoltaikanlagen und Anlagen der Kraft-Wärme-Kopplung entschieden. Frank Klaß, Sprecher des Hümmlinger Verbundes der Bis, sagte: "Zwar hat die BI ihr Ziel, die Verhinderung des Kohlekraftwerkes erreicht, aber man muss nun deutlich machen, welche Chancen die erneuerbaren Energien für unsere Region darstellen." Bernd Albers, ebenfalls Sprecher der BI-Hümmling, appellierte an die Politik, eine dezentrale Ener-gieerzeugung zu fördern. Es sei der Wunsch der Bürger, eine Rekommunalisierung des Energiesektors zu erreichen, um so zu einer regionalen Wertschöpfung im Emsland zu kommen. Dem konnte Dr. Eva Stegen nur beipflichten. Am Beispiel von Schönau erklärte sie, was alles machbar ist.

Der Grund, der die Bürger zum Umdenken gebracht habe, sei die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl im Jahr 1986 gewesen, sagte Stegen. Neun Jahre und zwei Bürgerentscheide später konnten die Schönauer das örtliche Stromnetz von einem Atomkraftwerksbetreiber freikaufen. Seitdem unterhalten und betreiben die bürgereigenen Elektrizitätswerke Schönau (EWS) das Ortsnetz selbst. Bundesweit werden derzeit 86.000 Privathaushalte sowie Gewerbe- und Industriebetriebe mit ökologisch erzeugtem Strom versorgt. "Wenn jemand mit einer kleinen Nadel einem großen Dinosaurier pickst, dann ist dass spürbar", machte Stegen ihren Zuhörern Mut.


Ems-Zeitung vom 16.12.2009

Kreis hat nichts gegen Gesamtschule

Landrat Bröring: Über Nachfolge erst 2011 entscheiden – Neue Ansätze bei Hartz IV

„Fühle mich für diejenigen verantwortlich, die morgen einen Arbeitsplatz benötigen, und nicht nur für die, die heute Arbeit haben“ – Landrat Hermann Bröring.
Von Holger Hartwig

Meppen. Keine Zweifel an einem Kraftwerksstandort Dörpen lässt Landrat Hermann Bröring aufkommen. In seinem Ausblick auf das Jahr 2010 spricht der CDU-Politiker davon, dass „es eine Herausnahme des Standortes auf dem Landesraumordnungsprogramm nicht geben wird“. Weitere Themen des Gesprächs: Der Aufbau der Gedenkstätte Esterwegen, die Schulstrukturen, neue Akzente in der Förderung von Langzeitarbeitslosen und die Frage, ob Bröring für seine Nachfolge – er scheidet im Herbst 2011 aus seinem Amt aus – einen Favoriten hat.

Gestern hat der jüngste Neubau der Meyer Werft, das Kreuzfahrtschiff AIDAblu, Papenburg über die Ems in Richtung Emden verlassen. Als ein Lösungsansatz für die langfristige Absicherung der Überführungen in Richtung Nordsee wird ein Emskanal von Dörpen bis nach Leer diskutiert. In Kürze soll eine Machbarkeitsstudie erstellt werden. Was erwarten Sie mit Blick auf den Emskanal?

Mich stimmt nachdenklich, dass wir fast zwölf Monate benötigt haben, um die Eckpunkte für die Machbarkeitsstudie festzulegen. Ich hätte mir mehr Tempo gewünscht. Die Beteiligung der Interessengruppen und Bürger ist gut und gewollt, wir müssen aber erkennen, dass solche Vorhaben sehr viel Zeit kosten. Ich habe die große Sorge, dass die Studie nicht vor Ende 2011 auf dem Tisch liegt. Im Klartext: Wir müssen Gas geben. Es reicht nicht mehr aus, laufend neue Bedenken zu formulieren. Wichtig ist es, diese ergebnisoffen abzuarbeiten, damit alle Beteiligten wissen, woran sie sind. Wir müssen auch deshalb schnell zu belastbaren Ergebnissen kommen, damit es einen sachlichen Austausch von Argumenten gibt und nicht Emotionen die Entscheidungsfindung bestimmen. Ich bin froh, dass sich die Meyer Werft und die Umweltverbände über Eckpunkte für die Anpassung des Sommerstaus der Ems verständigt haben und wir deshalb parallel zu der Vision Emskanal das Verfahren des großen Sommerstaus nunmehr in diesem Jahr auf den Weg bringen können. Hier hat der Landkreis angeboten, wie in der Vergangenheit die Federführung zu übernehmen. Wir brauchen allerdings im Sommer 2011 einen rechtskräftigen Planfeststellungsbeschluss, damit die Meyer Werft nicht nur 2012 die notwendige Überführungssicherheit hat, sondern insbesondere auch im derzeit angespannten Weltmarkt die notwendige Akquisition für den Bau weiterer Schiffe betreiben kann und damit Arbeitsplätze sichert.

In Ihrem Jahresrückblick haben Sie darauf hingewiesen, dass das Emsland robust durch die Wirtschaftskrise komme, weil seit Jahrzehnten erfolgreiche Wirtschaftsförderung betrieben wird. Welche Akzente wollen Sie 2010 setzen?

Bisher sind wir gut durch die Krise gekommen. Ich gehe aber davon aus, dass dies ein schwieriges Jahr wird, da das Ende der Krise im Metall- und Maschinenbau und in der Fahrzeugindustrie noch nicht abzusehen ist. Zu den Akzenten: Die Gespräche mit Enercon über die Ansiedlung eines Werkes für Rotorenblätter werden fortgesetzt, damit es zu einer Ansiedlung im Eurohafen kommt. Durch das Ende der Planungen für das Kohlekraftwerk in Dörpen ist es keineswegs leichter geworden, dieses Ziel zu erreichen. Zudem müssen wir Nordland alle Unterstützung geben, damit der Standort Dörpen durch ein Gaskraftwerk Sicherheit erhält. Und drittens werden wir mit neuen Interessenten reden, die in Meppen ein Gaskraftwerk bauen wollen.

Die Arbeitslosen- und Hartz-IV-Zahlen im Emsland sind besser als der Bundesdurchschnitt. Dennoch steigt der Etat der Sozialausgaben. Sie haben angeregt, die Leistungsempfänger in bezahlte Arbeitsverhältnisse zu überführen. Das ist in der deutschen Struktu r so nicht vorgesehen. Streben Sie ein bundesweites Pilotprojekt in dieser Hinsicht an?

Wir brauchen neue Modelle der Ertüchtigung für diesen Personenkreis. Die Instrumente, die wir derzeit haben, reichen nicht aus. Eine Überlegung zielt darauf ab, ein Modell zur Anwesenheitspflicht wie bei einem geregelten Arbeitsverhältnis auch für Hartz-IV-Leistungsempfänger zu entwickeln. Es könnten an drei Standorten im Landkreis Trainingszentren entstehen, in denen Langzeitarbeitslose 38 Stunden in der Woche zur Verfügung stehen. Wenn wir Arbeit haben, üben sie diese aus. In den anderen Zeiten werden Fortbildungen oder Maßnahmen zur gesundheitlichen Prävention angeboten. Zudem werde ich einen neuen Vorstoß machen, dass wir die immensen Summen der Passivleistungen – im Kreis sind dies rund 80 Millionen Euro – umwandeln in sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse. Gemeinnützige Organisationen könnten durch Hilfstätigkeiten auf diesem Weg für ihre Ehrenamtliche Arbeit Unterstützung erhalten. Damit erzielen wir auch den positiven Effekt, dass sich Leistungsempfänger nicht mehr als Kostengänger des Staates fühlen müssen. Des Weiteren werden wir unsere eigene Qualifizierungsgesellschaft ESBA ausbauen, indem wir in Freren und in Aschendorf zwei neue Werkstätten errichten.

Woher nehmen Sie den Optimismus, dass ein bundesweites Pilotprojekt mit der Beschäftigung von Langzeitarbeitslosen – möglicherweise in Konkurrenz zum ersten Arbeitsmarkt – umsetzbar ist?

Wir wollen damit Beschäftigung ermöglichen, die es heute so nicht am Markt gibt. Wir müssen uns klar darüber sein: Wenn wir wollen, dass sich Menschen auch zukünftig ehrenamtlich engagieren, beispielsweise im Sportverein, dann müssen wir hier Brücken bauen. Auf diese Weise hätte der Ehrenamtliche in einer kleinen Geschäftsstelle jemanden, dem er bestimmte Tätigkeiten auftragen kann, die er sonst selbst erledigen müsste. Es geht nicht darum, Felder zu besetzen, die auf dem regulären Arbeitsmarkt abgefragt werden könnten. Ich sehe auch den Effekt, dass sich Leistungsempfänger besser fühlen, wenn sie merken, dass sie in der Gesellschaft gebraucht werden. Mein Optimismus ist gedämpft. Es widerstrebt mir aber, es nicht zu versuchen.

Ein Thema wird im nördlichen Emsland die Diskussion über eine Integrierte Gesamtschule (IGS) in Aschendorf. Was erwarten Sie in dieser Debatte?

Erstens: Der demografische Wandel ist auch im Emsland angekommen; uns fehlen heute schon in der Sekundarstufe 1 Kinder. Zweitens: Es gilt für uns das Gebot, dass wir keine Gemeinde von einem Sekundarstufe-1-Angebot entblößen wollen. Wir kommen deshalb nicht daran vorbei, uns zu vernetzten Schulformen zu bekennen und uns von der Dreigliedrigkeit zu verabschieden. Es ist erforderlich, an vielen Standorten eine zügige Verzahnung von Haupt- und Realschule zu erreichen. Wenn wir eine solche Form der Kooperation wollen, müssen wir auch zulassen, dass diese in Form einer Gesamtschule geführt wird. Aus meiner Betrachtung heraus läuft die Diskussion in Aschendorf falsch. Der Kreis hat nichts gegen eine Gesamtschule. Nur solange die Gesamtschule nicht als Regelschule das gegliederte Schulsystem ersetzen darf, sondern als zusätzliches Angebot besteht, bekommen wir im nördlichen Emsland ein Problem. Ich bin überzeugt: Es geht in der Diskussion auch nicht darum, dass es unbedingt eine IGS sein muss, sondern lediglich der Standort gesichert werden soll. Wir müssen verhindern, dass ein „Schülerklau“ stattfindet, der in Nachbargemeinden Schulen gefährdet. Damit würden wir eine Gemeinde um Lebensqualität bringen. Das geht nicht.

In dieses Feld passt auch das Thema Chancengleichheit. Was werden hier 2010 für Akzente gesetzt?

Wir werden nun die Arbeit der Familienzentren durch eine Befragung auf den Prüfstand stellen. Wir hatten diese Zentren von Beginn mit einer Experimentierphase angelegt. Jetzt geht es darum zu entscheiden, welche weiteren Angebote erforderlich sind und von welchen wir uns verabschieden können. Insgesamt müssen wir weiter hart an dem Ziel arbeiten, dass im Emsland niemand die Schule ohne einen Abschluss verlässt. Dafür schaffen wir in den Familienzentren und in den Kindertagesstätten unter anderem durch unsere Sprachförderung die Grundlagen, auf denen an den Schulen weiter aufgebaut werden kann.

Ganz anderes Thema: Wie wird in diesem Jahr der Aufbau der Gedenkstätte Esterwegen weitergehen?

Dieses Jahr wird uns eine spannende – durchaus auch öffentliche – Diskussion über das Ausstellungskonzept erwarten. Das Konzept für die Räumlichkeiten im ehemaligen Depotgebäude wird entwickelt. Wir haben mit Hans-Dieter Schaal einen exzellenten Innenarchitekten gefunden, der auch das Ausstellungskonzept für Bergen-Belsen entworfen hat, und werden dann von Herrn Professor Faulenbach, einem ausgewiesenen Historiker in der Gedenkstättenarbeit, das wissenschaftliche Konzept erstellen lassen. Dieses werden wir in einem Kolloquium durch nicht beteiligte Wissenschaftler gegenspiegeln lassen. Unser Ziel muss es sein, mit der Gedenkstätte einen Ort der Erinnerung und der dauerhaften Auseinandersetzung mit diesem Thema für die Bürger und alle Schulen in Weser-Ems zu schaffen. 2011 wird dann die innenarchitektonische Umsetzung folgen.

Stichwort Klimaschutz: Wie sehen die ersten Schritte für die angekündigte Klimaschutzinitiative aus?

Ich hoffe, wir werden bis Ostern eine erste grobe Kohlendioxid-Bilanz für den öffentlichen Sektor im Kreis vorliegen haben. Wir werden dann beispielsweise ersehen können, mit welcher CO2 -Bilanz die Schulen beteiligt sind. Auf dieser Basis kann jeder zur CO2 -Reduzierung beitragen. Ich bin überzeugt: Tragen wir das Bewusstsein, durch eigenes Verhalten einsparen zu können, so an die Schüler heran, wird mit kleinen Dingen ein wichtiger Beitrag geleistet. Wir bringen das Thema auf diesem Weg sachlich – und nicht emotional – an die Menschen heran. Des Weiteren wollen wir die erste Beratungsleistung für die mittelständischen Unternehmen im Kreis kostenfrei anbieten.

Ihr Ansehen und das Ansehen der CDU hat in Teilen der Bevölkerung im nördlichen Emsland angesichts der Diskussionen um das Kohlekraftwerk in Dörpen gelitten. Das Kraftwerk ist nun vom Tisch. Haben Sie rückblickend in dieser emotional geführtenDebatte Fehler gemacht?

Ich habe niemanden beleidigt oder bedroht, sondern immer die sachliche Diskussion gesucht. Das war vonseiten der Bürgerinitiative nicht der Fall, wenn ich beispielsweise an die anfänglichen Verunglimpfungen auf der neuer Kohlekraftwerke war nicht möglich. Ich habe offenbar eine andere Lebensauffassung als viele Gegner des Projekts. Ich habe erlebt, wie arm das Emsland war, und trage deshalb die Verantwortung für diejenigen, die morgen einen Arbeitsplatz benötigen und nicht nur für die, die heute Arbeit haben. Insofern bin ich zuversichtlich, dass mein Ansehen nicht gelitten hat.

Beabsichtigen Sie, auf die Gegner des Kraftwerkes zuzugehen, um zukünftig wieder gemeinsam an der Weiterentwicklung des Emslandes zu arbeiten?

Der Dialog ist nicht von meiner Seite abgebrochen worden. Wenn die Gegner ein Gespräch wollen, wird es das selbstverständlich geben. Einem sachlichen Gespräch, in dem man sich gegenseitig mit Respekt begegnet, würde ich zustimmen. Es ist für mich klar, dass es eine Herausnahme des Kraftwerkstandortes Dörpen aus dem Landesraumordnungsprogramm nicht geben wird. Ich habe die Gesamtverantwortung für den Kreis und darf nicht partielle Interessen sehen und verfolgen.

2010 gilt es auch, die Weichen für die Kommunalwahl 2011 zu stellen. Sie haben als Landrat für die CDU maßgeblich seit 1991 die Politik gestaltet und scheiden im kommenden Jahr auf eigenen Wunsch aus. Wann sollen aus Ihrer Sicht die Weichen für die Auswahl Ihres Nachfolgers gestellt werden?

2010 kann meines Erachtens nicht das Jahr für die Kandidatenkür der CDU sein. Zunächst einmal bin ich dankbar, dass der emsländische Kreistag es mir ermöglicht hat, die Politik so mitzugestalten, indem er die wichtigen Weichenstellungen immer mitgetragen und die notwendigen Entscheidungen mit großer Mehrheit und oft sogar einstimmig getroffen hat. In diesem Jahr haben wir alle Hände voll zu tun, die Sachfragen so voranzutreiben, dass der Bürger in 2011 mit der Kommunalwahl eine fundierte Entscheidung treffen kann, ob er mit der geleisteten Arbeit zufrieden ist. Eine Diskussion um die Kandidaten bereits in diesem Jahr, so reizvoll sie für manche auch sein mag, verstellt den Blick für die eigentlichen Themen, die anzupacken sind. Im Übrigen bin ich sicher, dass meine Partei, die CDU, den Fahrplan für die Kandidatenauswahl zur rechten Zeit auf den Weg bringen wird.

Haben Sie einen persönlichen Favoriten?

Internetseite der BI denke. Eine sachlich differenzierte Diskussion über den CO2 -Ausstoß alter und neuer Kohlekraftwerke war nicht möglich. Ich habe offenbar eine andere Lebensauffassung als viele Gegner des Projekts. Ich habe erlebt, wie arm das Emsland war, und trage deshalb die Verantwortung für diejenigen, die morgen einen Arbeitsplatz benötigen und nicht nur für die, die heute Arbeit haben. Insofern bin ich zuversichtlich, dass mein Ansehen nicht gelitten hat.

Beabsichtigen Sie, auf die Gegner des Kraftwerkes zuzugehen, um zukünftig wieder gemeinsam an der Weiterentwicklung des Emslandes zu arbeiten?
Der Dialog ist nicht von meiner Seite abgebrochen worden. Wenn die Gegner ein Gespräch wollen, wird es das selbstverständlich geben. Einem sachlichen Gespräch, in dem man sich gegenseitig mit Respekt begegnet, würde ich zustimmen. Es ist für mich klar, dass es eine Herausnahme des Kraftwerkstandortes Dörpen aus dem Landesraumordnungsprogramm nicht geben wird. Ich habe die Gesamtverantwortung für den Kreis und darf nicht partielle Interessen sehen und verfolgen.

2010 gilt es auch, die Weichen für die Kommunalwahl 2011 zu stellen. Sie haben als Landrat für die CDU maßgeblich seit 1991 die Politik gestaltet und scheiden im kommenden Jahr auf eigenen Wunsch aus. Wann sollen aus Ihrer Sicht die Weichen für die Auswahl Ihres Nachfolgers gestellt werden?

2010 kann meines Erachtens nicht das Jahr für die Kandidatenkür der CDU sein. Zunächst einmal bin ich dankbar, dass der emsländische Kreistag es mir ermöglicht hat, die Politik so mitzugestalten, indem er die wichtigen Weichenstellungen immer mitgetragen und die notwendigen Entscheidungen mit großer Mehrheit und oft sogar einstimmig getroffen hat. In diesem Jahr haben wir alle Hände voll zu tun, die Sachfragen so voranzutreiben, dass der Bürger in 2011 mit der Kommunalwahl eine fundierte Entscheidung treffen kann, ob er mit der geleisteten Arbeit zufrieden ist. Eine Diskussion um die Kandidaten bereits in diesem Jahr, so reizvoll sie für manche auch sein mag, verstellt den Blick für die eigentlichen Themen, die anzupacken sind. Im Übrigen bin ich sicher, dass meine Partei, die CDU, den Fahrplan für die Kandidatenauswahl zur rechten Zeit auf den Weg bringen wird.

Haben Sie einen persönlichen Favoriten?

Das bleibt mein Geheimnis.

Sie dürfen Redakteur sein und sich eine Schlagzeile am Jahresende 2010 aussuchen. Wie lautet diese?

Das Emsland hat die Wirtschaftskrise gut überstanden .


Ems-Zeitung vom 12.01.2010

Kompakt

Info-Abend der BI über alternative Energien

Sögel. Die Bürgerinitiative (BI) Saubere Energie auf dem Hümmling lädt am Freitag, 15. Januar, zu einer Informationsveranstaltung zum Thema „Alternative Energieaufstellung am Beispiel Schönau“ um 19.30 Uhr in den Clemenswerther Hof in Sögel ein. Eva Stegen, Referentin der Elektrizitätswerke Schönau, wird über den Werdegang einer neuen Energieaufstellung berichten. Nach Angaben der BI setzen sich die Schönauer für eine ökologische, dezentrale und bürgereigene Energieversorgung ein. Ergänzt wird der Abend mit einem Beitrag über den Bürgerwindpark in Lorup.

 
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"KEIN KOHLEKRAFTWERK IN DÖRPEN!"